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Kombinierte Dämmsysteme in der Sanierung
Donnerstag, 3 September, 2009
Heute zukunftsfähig sanieren / Starke Kombis in der Sanierung
Starke Sanierkombis / Kombinierte Dämmsysteme in der Sanierung
Das Gros der Dachbaumaßnahmen sind heute Sanierungen. Der Einsatz kombinierter Systeme aus EPS und MW ist in diesem Sektor erfahrungsgemäß etwas komplizierter. Hier ein Blick auf Gesetzeslage und Technik.
Wer heute sein Dach sanieren lässt, muss laut der EnEV 2009, sie gilt ab dem 1.10.09, neue Bedingungen erfüllen. Laut EnEV 2007 mussten alle Bauherren, die mehr als 20 % einer Bauteilfläche gleicher Orientierung sanieren ließen, das gesamte Bauteil wärmetechnisch auf den neuesten Stand bringen. Die neue EnEV 2009 setzt diese sogenannte Bagatellgrenze auf 10% herunter und spricht zudem nicht mehr von orientierten Flächen, sondern nur von Bauteilen, also z.B. das ganze Dach. Bei einem kleinen 100 m² Reihenhausdach würde demnach bereits beim Einbau einer Schleppgaube, die 10 m² Dachfläche ersetzt, das gesamte Dach neu gedämmt werden müssen.
Das bereits zum 1.1.2009 in Kraft getretene Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz, auch EEWärmeG oder Wärmegesetz 2009 genannt stellt ebenfalls neue Forderungen. Wer heute neu baut, muss mindestens 15 % des Wärmebedarfs seines Hauses mit erneuerbaren Energien decken (Solar. Pellets usw.). Das EEWärmeG wird auch so verstanden, dass bei Anbauten und Erweiterungen mit mehr als 50 m² Wohnfläche dieses Gesetz gilt. Alternativ kann statt erneuer¬barer Energien, der nach EnEV 2009 geforderte Wärmeschutz um 15% unterboten werden.
Für ein zu sanierenden Dach bedeutet das: Wer ein altes Dach saniert und dabei mehr als 10% der Dachfläche verändert, muss nach EnEV 2009 einen U-Wert von 0,24 W/m²K für das gesam¬te Dach sicherstellen. Werden durch Anbauten und Erweiterungen (kein Dachgeschoss¬aus¬bau) mehr als 50 m² Wohnfläche neu geschaffen, tritt auch die Forderung nach Wärmegesetz 2009 in Kraft, wonach der Bauherr zugleich auch 15 % seines Wärmebedarfs für Heizung und Warm¬wasser mit erneuerbaren Energien abdecken muss. Alternativ darf statt des Einsatzes erneuer¬barer Energien ein besserer Wärmeschutz als nach EnEV 2009 gefordert zum Ansatz gebracht werden. In Klartext: Fällt der An- oder Umbau unter das EEWärmeG, muss den in der EnEV 2009 geforderten U-Wert von 0,24 W/m²K um 15 % unterbieten. Der U-Wert müsste 0,20 W/m²K betragen.
Zweilagige Sanierung:
Die Dämmkonstruktionen, die dafür in Frage kommen, sind zunehmend zweilagig. Einen U-Wert von 0,2 W/m²K erreicht man z.B. bei einem altbauüblichen 14er Sparren mit 14 cm Zwischensparrendämmung und etwa 10 cm EPS-Aufsparrendämmung. Wie ein solches System auf Basis des dampfoffenen Aufsparrendämmsystems 2in1 von Unidek funktioniert, zeigt Abbildung (2in1+MW+V6) Die bauphysikalischen Berechnungen wurden mit der Software MF Bauphysik von Markus Friedrich Datentechnik ausgeführt. Das ist das gleiche Softwarehaus, das auch die Fachregeln des ZVDH mit Rechensoftware unterstützt.
Als Grundidee eines Sanierungssystems hat sich der möglichst dampfoffene Schichtenaufbau bewährt. Hintergrund: Während im Winter die Dampfwanderung von Innen (warm) nach Außen (kalt) verläuft, kehrt sich dieser Vorgang im Sommer um. Im Sommer ist es von Vorteil, wenn das System auch innen dampfoffen ist, weil es dann auch zum bewohnten Raum hin besser austrocknen kann. Die Trocknungsprozesse gehen also in beide Richtungen.
Wie viel Feuchtigkeit eine Konstruktion im Laufe eines Winters maximal aufnehmen darf, ist in der DIN 4108, Teil 3 sinngemäß wie folgt beschreiben:
Bis 1000 g /m² bei Bauteilen ohne Holz und ohne kapillare Baustoffe (z.B. KS)
Bis 500 g /m² bei Bauteilen ohne Holz mit kapillaren Baustoffen (Ziegel)
Bis 5 % der Masse des Holzes bei Dachkonstruktionen aus Holz (Sparrendach)
Bis 3 % der Masse von Holzwerkstoffen (MDF, OSB, Holzwolle oder Holzfaser)
Für einen klassischen alten Dachstuhl (z.B. Sparren 16 x 12 cm, alle 70 cm) ergibt das eine maximal zulässige Tauwassermenge pro Heizsaison von etwa 640 g.
Der Rechengang: 0,16 m x 0,12 m x 1,0 m = 0,0192 m³ Holz pro laufend Meter Sparren / bei einem Sparrenraster alle 0,7 Meter -> 0,0192 m³ / 0,7 = 0,0274 m³ Holz pro Quadratmeter Dachfläche / bei einer Rohdichte von Fichte (470 kg /m³) ergeben sich daraus 0,0274 m³ x 470 kg/m³ = 12,88 kg Fichte pro Quadratmeter. Bei einer maximal zulässigen Tauwassermenge in der Holzkonstruktionen von 5 % ergeben sich daraus 12.88 kg x 0,05 = 0,64 kg maximal in einer Heizperiode aufnehmbarer Feuchtigkeit pro Quadratmeter Dachfläche. Das entspricht den oben genannten 640 g.
Die hier vorgestellte Mischkonstruktion eines Aufsparrendämmsystems 2in1 von Unidek mit MW zwischen den Sparren erzeugt überhaupt keinen Tauwasseranfall. Der Rechengang zeigt wie weit heute diese modernen Mischkonstruktionen von Tauwassergefahren entfernt sind. Sie befinden sind mit ihren dampfoffenen Vordeckungen jenseits aller gefährlichen Tendenzen. Erfahrungen aus früheren Zeiten zählen hier nicht mehr. Früher waren solche Mischsysteme schwieriger: Würde man bei gleicher Konstruktion (MW zwischen den Sparren + Aufsparrendämmung 2in1 von Unidek) statt der dampfoffenen Unterdeckung eine relativ dampfdichte Polymerbitumenbahn als Kaschierung verwenden (übliche Vordeckung in den 90er-Jahren) betrüge der Tauwasseranfall über 700 g. Dieser Tauwasseranfall wäre im Fall des oben genannten Altbaudaches grenzwertig. Die Aufsparrendämmsysteme aus den 90er-Jahren waren für solche Mischsysteme deshalb nicht besonders gut geeignet.
Achtung: Alle heutigen Rechengänge basieren auf der Annahme, dass ein Dach luftdicht abgeschlossen ist. Das ist im Zuge des Blower-Door-Tests Pflicht und sollte in einer dauerhaften Ausführung beherrscht werden. Deshalb: keine billigen Folien, keine unbekannten Klebebänder. Das Handwerk möge sich stets vor Augen führen, dass zwischen Dampfdiffusion (luftdichte Dampfbremse) und Konvektion (durchströmende Luft durch fehlerhaft ausgeführte Dampfbremse) der Faktor 1000 steht. Aus 1 g unbedeutender Feuchte kann im Fall einer Undichtigkeit 1000 g Schadensfeuchte erwachsen.
Wichtige Details:
Bei der Dach-Komplettsanierung wird von oben die gesamte Dachkonstruktion und dabei auch die alten Dämmlagen zwischen den Sparren ausgeräumt. Die zum Vorschein kommende Innenbekleidung (GK, Aluminiumfolienreste, Folienreste, Schilfträgermaterial) wird zuerst nach gefährlichen Schrauben und Nägeln durchsucht. Die Schrauben und Nägel werden sauber entfernt bzw. abgeschnitten und darauf eine etwa 2 cm dicke MW-Lage ausgelegt. Sie soll die von oben eingelegte Dampfbremse (hier sd-Wert 6 m) vor Beschädigungen schützen. Die Dampfbremse wird so großzügig in die vorbereiteten Gefache eingelegt, dass sie nicht unter Spannung liegt. Die Verklebung der Bahnen untereinander sollte möglichst druckvoll geschehen. Dafür verwendet das Handwerk am besten aufeinander abgestimmte Dampfbremsen und Klebebänder von Systemanbietern. Bei Beschädigungen der Dampfbremse (übersehene Nägel oder Schrauben) ist zuerst die Ursache sorgfältig zu beseitigen und dann die Schadensstelle gewissenhaft abzukleben. Ebenso wichtig ist die exakte Anbindung der Bahnen an Traufe und Ortgang. Wie das sinnvoll geschehen sollte, zeigen die detaillierten technischen Zeichnungen. Nach der Einlage der Zwischensparrendämmung folgt direkt darauf das Aufsparrendämmsystem 2in1 von Unidek. Diesen folgen Konterlatten, schräge Schrauben, Dachlatten usw. Die Komplettsanierung ist die sinnvollste Sanierungsvariante mit den besten Ergebnissen für die Bauherren und einer sauberen und nachvollziehbaren Detaillierung für das Handwerk. Ohne Kompromisse sind auf diese Weise Dachdämmungen bis zum Passivhausstandard (U-Wert = 0,1 W/m²K) realisierbar.
Die heikle Sanierung:
In der Praxis stellt sich leider oft der Fall ein, dass der Bauherr die alte Zwischensparrendämmung, die er selbst mal eingebaut hat, erhalten möchte und nur eine zusätzlich Aufsparrendämmung wünscht. Die Situation rund um die wichtige Dampfbremse ist in solchen Fällen komplett ungeklärt (sehr wahrscheinlich nicht funktionstüchtig). Zusätzlich sind die Eigenschaften der alten Dämmung meistens zweifelhaft (Luftspalte bei Rolldämmung). Im ersten Augenblick könnte man sagen: Hände weg von solchen Baumaßnahmen. Denn: Egal was der Bauherr wünscht, die Verantwortung für eine funktionierende Dämmung übernimmt das Handwerk. Und der Bauherr kann sich anschließend an nichts mehr erinnern.
Folgende Vorgehensweisen sind denkbar:
1. Es wird ein Sachverständiger eingeschaltet, der das Gebäude untersucht, eine detaillierte Planung vorlegt und die Baumaßnahmen begleitet bzw. überwacht. Das kostet mehr als eine neue von oben eingelegte Dampfbremse und Zwischensparrendämmung.
2. Es wird die 1/5-Regel bzw. die 20%-Regel aus dem Merkblatt des ZVDH „Wärmeschutz bei Dach und Wand“ angesetzt: Man geht davon aus, dass die alte Dämmung maximal 1/5 der Gesamt-Dämmwirkung des zukünftigen Daches ausmacht (bezogen auf den auf U-Wert). In diesem Fall kann die neue und funktionierende Dampfbremse / Luftdichtung oberhalb der alten Zwischensparrendämmung aufgebaut werden. Dabei macht es dann Sinn, ein dickes Aufsparrendämmelement zu wählen (z.B. 200 mm), weil diese Dämmung die Hauptdämmung wird. Die alte Zwischensparrendämmung wird sozusagen „degradiert“ und behandelt als wäre sie eine Untersparrendämmung, die unterhalb der eigentlichen Dampfbremse liegt. Wichtig hierbei ist die penibel saubere Verbindung der neuen Dampfbremse mit der Gebäudehülle an Traufe, rund um die Sparrenköpfe, an Giebelwände, Schornsteine, Durchbrüche usw. Ein Blower-Door-Test wäre empfehlenswert.
Alle anderen Varianten sollte das Handwerk zum eigenen Schutz nicht anbieten. Die beste Lösung ist die Totalsanierung von oben mit Austausch der Zwischensparrendämmung und neuem Schichtenaufbau, vor allem der Dampfbremse / Luftdichtung. Entscheidend ist, dass das Handwerk der Luftdichtigkeit allergrößte Bedeutung zumisst.
Fazit: Die Totalsanierung eines Daches von oben mit dem Einbau einer neuen Dampfbremse / Luftdichtung, einer Zwischensparrendämmung und einer EPS-Aufsparrendämmung ist heute ein gangbarer eleganter Weg. Dampfoffene Aufsparrendämmsysteme machen es möglich.
Bildtexte:
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Schichtenaufbau einer gemischten Dämmkonstruktion aus EPS-Aufsparrendämmung 2in1 von Unidek und einer Zwischensparrendämmung in der Sanierung.
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Darstellung des Schichtenaufbaues, des U-Wertes und der Glaser-Diagramme für Gefach und Sparren, Dampfbremsen mit sd = 6 m.
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Verschraubung von Aufsparrendämmsystemen mit schräger Schraube.
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Aufsparrendämmungen, wie hier 2in1 von Unidek, schaffen einen vollflächigen, in der Fläche weitgehend luftdichten Dämmmantel oberhalb der Sparren.
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In der Kehle wird die Unterdeckbahn von dem EPS-Dämmkern partiell gelöst und die Kehlbahn darunter gelegt.
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Das doppelte, umlaufende Nut-Feder-System des Aufsparren-Dämmelementes 2in1 von Unidek sorgt zusammen mit der verklebten Überdeckung für eine sehr winddichte Ausführung.
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Detaillierter Schnitt eines Ortganges mit geringem Dachüberstand und Anschluss an ein WDVS.
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Detaillierter Schnitt eines Ortganges mit außen liegenden Sparren, größerem Dachüberstand und Anschluss an eine vorgehängte, hinterlüftete Fassade.
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Traufausbildung mit großem Dachüberstand, Knaggen und Anschluss an eine vorgehängte, hinterlüftete Fassade.
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Traufausbildung mit kleinem Dachüberstand, Traufbohle und Anschluss an ein zweischaliges, kerngedämmtes Verblendmauerwerk.
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Detailausbildung eines Schornsteindurchbruches.
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Detailausbildung rund um eine zweischalige Haustrennwand mit der Lösung von Brandschutz- und Schallschutzanforderungen.
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