Archiv
Fachbericht:
Dacheindeckungen mit Schiefer
Freitag, 15 Mai, 2009
Schiefer macht den Meister
Schiefer ist ein Naturgestein. Als hochwertigen Dachschiefer nutzen ihn Dachdecker seit über 2000 Jahren für anerkanntermaßen haltbare Dachdeckungen und Fassadenbekleidungen. Daneben wird Schiefer auch für Boden- und Wandbeläge, Fensterbänke, zur Gartengestaltung und für exklusive Sanitärobjekte eingesetzt.
Das Sedimentgestein Schiefer besteht aus feinstem Tonschlamm. Je nach mineralischer Zusammensetzung kristallisierten sich aus den Sedimenten die bekannten graublauen, aber auch grüne und rote Schiefer. Die farbigen Schiefer werden bei uns verstärkt erst seit einigen Jahren angeboten.
Schiefer-Deckarten für das Dach
Schiefer werden schon seit Jahrtausenden für Dachdeckungen verarbeitet. Entsprechend groß ist die Vielfalt der Deckarten. Es gibt viele Belege dafür, dass die Römer bereits in erheblichem Umfang Schiefer verwendeten. Es handelt sich dabei um Moselschiefer, wie gesteinskundliche Analysen belegen. Zwischen der Römerzeit und dem Mittelalter fehlen Zeugnisse für die Schieferdeckung. Erst um 1100 erscheinen wieder Hinweise auf “Leyendecker-Zünfte” (alte Bezeichnung für Schieferdecker) im Trierer Raum. Statt einfachen geometrischen Formen, wie z.B. Spitzwinkel, die noch in der Römerzeit vorherrschend waren, überwiegen jetzt Altdeutsche Schieferformate (Schuppenform).
Die Altdeutsche Deckung: Zu den herausragenden Besonderheiten des deutschen Schiefermarktes gehört die Altdeutsche Deckung. Diese “Königin der Deckarten” zählt zu den handwerklich schwierigsten Dachdeckungen überhaupt. Die Altdeutsche Deckung zeichnet sich durch kunstvoll eingebundene Anfang- und Endorte, Trauf- und Firstgebinde sowie durch handwerklich anspruchsvolle Kehlausbildungen aus. Zur ästhetisch herausragenden Eigenschaft der Altdeutschen Deckung zählen u.a. die sich verjüngenden Gebinde. Das heißt, dass die Decksteine von Traufe zu First hin immer kleiner werden. Damit wird die Ästhetik eines Daches für den Betrachter oft unbewusst erhöht. Zur Lebendigkeit und Einmaligkeit der Altdeutschen Deckung tragen auch verschieden breite Steine bei. Mit Übersetzungen von zwei kleinen auf einen großen Stein werden diese unterschiedlichen Decksteine in die Dachfläche eingebunden. Regeldachneigung: Altdeutsche Doppeldeckung 22°, Altdeutsche Deckung 25°.
Die Schuppen-Deckung ähnelt der Altdeutschen Deckung. Der einzelne Stein hat die gleiche, wie die Altdeutsche Deckung, auf einem Rhombus basierende Geometrie. Der Unterschied zur Altdeutschen Deckung ist nur gering. Alle Steine dieser Deckung sind gleich hoch und breit (Schablonen). Es gibt keine Übersetzungen von breiten Steinen auf schmale Steine. Das Dach wirkt ähnlich elegant wie eine Altdeutsche Deckung, ist aber insgesamt flächiger und gleichmäßiger, dagegen in den Schieferkehlen zuweilen etwas unruhiger. Regeldachneigung: 25°.
Die Universal-Deckung ist die preisgünstigste Schiefer-Deckart überhaupt. Sie basiert auf einem Quadrat mit einer bogenförmig abgerundeten Ecke. Diese Deckart kann nach links, rechts und auf dem Bogen stehen verarbeitet werden. Sie ist vielseitig einsetzbar und reduziert die Lagerhaltung erheblich. Regeldachneigung: 25°.
Die Rechteck-Doppeldeckung ist vor allem in Benelux, Frankreich, Spanien, England und auch in den USA weit verbreitet. Die Deckung mit rechteckigen Steinen gehört im zusammenrückenden Europa zu den Klassikern der Baugeschichte. Als entscheidender Vorteil der Rechteck-Doppeldeckung gilt die schnelle und damit preisgünstige Verlegung. Das praktische, in Produktion, Transport und Lagerung technisch orientierte Rechteckformat ist in Deutschland die Basis für eine große Vielfalt preisgünstiger Schieferdeckungen. Sie alle haben das Rechteck als gemeinsames Ausgangsformat. Regeldachneigung: 22°.
Die Spezial-Fischschuppen-Deckung ist eine Rechteck-Doppeldeckung, die in der Sichtfläche einen Segmentschnitt aufweist. Dadurch entsteht die Optik einer Fischschuppe. Regeldachneigung: 22°. Coquettes sind Rechtecke mit einer komplett abgerundeten Steinseite, die in der Sichtfläche ein absolut rundes Deckbild ergeben. Regeldachneigung: 22°. Octogones sind Rechtecke mit unter 45° gestutzten Ecken, die im Deckbild auf dem Dach einer Bienenwabe ähneln. Die Waben-Deckung ist eine Raute mit einer gestutzten Ecke. Regeldachneigung: 22°. Spitzwinkel-Schablone: Wird das Quadrat auf die Spitze gestellt, entsteht ein rautenförmiges Deckbild. Regeldachneigung: 30°.
Die Wilde Deckung ist eine sehr auffällige Deckart, die hierzulande nur wenige Male pro Jahr eingedeckt wird. Der Exot stammt vom Steinlegedach ab und erfordert einen hoch qualifizierten und gestalterisch begabten Dachdecker. Hier muss jeder Stein einzeln auf dem Dach von Hand zugerichtet werden. Regeldachneigung: 25°.
Verlegung und Befestigung
Als Stand der Technik gelten die “Regeln für Deckungen mit Schiefer“ einschließlich Produktdatenblatt Schiefer, aufgestellt vom Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks e.V. sowie die Grundregeln des Deutschen Dachdeckerhandwerks.
Schieferdeckungen werden je nach Deckart auf eine nagelbare, biegesteife Holzschalung aus Brettern, Mindestdicke 24 mm oder auf Dachlattung (Rechteckdeckungen) verlegt. Sie müssen mindestens der Sortierklasse S 10 oder MS 10 nach DIN 4074-1 “Sortierung von Nadelholz nach der Tragfähigkeit - Nadelschnittholz” entsprechen. Werden als Deckunterlage Holzwerkstoffplatten verwendet, müssen diese mindestens 22 mm dick sein. Speziell für Schiefer wurden auch Aufsparrendämmsysteme entwickelt. Die Sandwichelemente auf EPS-Basis sind beidseitig mit DWD-Platten beplankt, auf die der Schiefer direkt genagelt wird. Als Befestigungsmittel kommen spezielle feuerverzinkte Schiefernägel, Kupfer- und Edelstahlstifte sowie für Rechteck_Deckungen auf Lattung, auch Klammern zum Einsatz. Vollschalungen werden mit einer Vordeckung, mindestens V13 und höherwertiger bzw. dampfoffenen Unterspannbahnen, für die Beschieferung vorbereitet. Eine besondere Art der Befestigung ist die Direktnagelung. Dabei werden Schiefer direkt auf Porenbeton oder Bimsstein genagelt.
ABBILDUNGEN:
![]()
![]()
![]()
![]()
![]()
Altdeutsche Deckung: Die Altdeutsche Deckung gilt als die „Königin der Deckarten“. Mit dieser Deckung lässt sich das komplizierteste Dach eindecken.
![]()
![]()
![]()
Schuppen-Deckung: Schuppen-Deckungen basieren auf der gleichen Geometrie wie die Altdeutsche Deckung. Alle Steine sind jedoch gleich.
![]()
![]()
![]()
![]()
Universal-Deckung: Links und rechts sowie auf dem Bogen stehend ist die Universal-Deckung eine preiswerte und vielseitige Dachdeckung.
![]()
![]()
![]()
![]()
![]()
Rechteck-Doppeldeckung: Rechteck-Deckungen sind europäische Klassiker mit vielen Gesichtern: geradlinig, streng, aber auch verspielt und edel.
![]()
![]()
![]()
![]()
![]()
Wilde Deckung: Die Wilde Deckung fordert den Meister im Dachdecker. Hier wird jeder Stein einzeln auf dem Dach zugerichtet.
Fachberichte und Reportagen sind urheberrechtlich geschützt. Bei Interesse rufen Sie uns bitte unter 0421-414080 an.Rathscheck Schiefer im Internet: www.rathscheck.de
