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Fachbericht: Lüftung: Hinterlüftung von Dachdeckungen
Sonntag, 25 November, 2007
Vom Luftraum zur Lüftungsebene
Nie ohne Hinterlüftung
Fernziel: 200 cm² Lüftungsquerschnitt
Bei den heutigen, intensiv genutzten Dachgeschossen ist die Hinterlüftung der Dachdeckung ein brisantes Thema. Hier wird Feuchte abtransportiert, die der Dachkonstruktion schaden kann.
Ein Dach muss Stürme, Regen, Schnee, Eis, Hagel, Hitze und Erschütterungen ertragen. Trotz verschiedener Durchbrüche, Aufbauten und Anschlüsse soll es darüber hinaus regensicher sein und Jahrzehnte funktionieren. Einer dauerhaft funktionierenden Hinterlüftung eines wärmegedämmten, dampfgebremsten und winddichten Ziegeldachs kommt dabei eine essentielle Bedeutung zu.
Bis vor etwa 60 Jahren herrschte „Ruhe“ unter deutschen Dächern. Die großen, nicht ausgebauten Dachräume dienten, ebenso wie Keller, als großzügige Klimapuffer und Lagerräume, die die Unbilden der Natur von den beheizten Wohnräumen fernhielten. Wenn der Wind mal zwischen den historischen Dachziegeln Feuchtigkeit hineintrieb oder sogar ein Dachziegel seinen Dienst aufgab, nahmen Lehm oder das auf dem Dachboden gelagerte Stroh die Feuchtigkeit auf. Bei Gelegenheit wurde der Schaden repariert. Stroh und Lehm trockneten wieder.
Mit dem Beginn des Ausbaus von Dachgeschossen zu Wohnräumen veränderte sich auch die Belastung für die Dachdeckungen. Vorher locker durchlüftet und allseitig getrocknet (Jeder flügelige Dachziegel war sein eigener Lüfter.), entwickelte sich nun über der anfänglich spärlichen Dämmlage eine staubige und oft feuchte Ebene.
Spätestens in den 50er Jahren traten die ersten Schädigungen an einst bewährten Konstruktionen auf. Die Fachregeln mussten neu geschrieben werden. Der Begriff „Lüftungsebene“ entstand. Mit den immer dickeren Dämmstofflagen wurde es eng und enger im Sparrenzwischenraum. Der einst viele Kubikmeter große Luftraum reduzierte sich im Zuge dieser Entwicklung auf Konterlattenhöhe.
Die Konterlatten sind zu dünn
Heutige, modern produzierte Dachziegel sind sehr viel gerader, die Falze schließen besser denn je. Die keramische Fläche über dem immer kleiner werdenden Lüftungsraum wird entsprechend dichter. Der Lüftungsraum avanciert zur Hochleistungs-Lüftungsebene mit zunehmend größerer Bedeutung für den Feuchtehaushalt der Dachkonstruktion und die Haltbarkeit der Dachdeckung. Darauf reagierte das Dachdeckerhandwerk mit entsprechenden Fachregeln. Darin ist Folgendes zu lesen: „Die in der DIN 4108, Teil 3, geforderten Lüftungsquerschnitte für belüftete Dächer gelten für diesen Raum zwar nicht, haben sich aber in der Praxis bewährt und werden empfohlen“. Diese Regel wird von Fachleuten wie Laien häufig dahingehend fehlinterpretiert, dass eine Hinterlüftung in der Fachregel nicht zwingend vorgegeben sei. Kenner der Materie wissen aber, dass diese Aussage einen zurzeit noch technisch schwierigen Sachverhalt beschreibt. Es geht dabei speziell um die 3-cm-Konterlatte. Die in der DIN geforderten 200 cm² Lüftungsquerschnitt sind nämlich mit der heute üblichen Standard-Konterlatte nicht realisierbar. Zwischen Theorie und Praxis gehen zu viele Quadratzentimeter verloren.
Anhand eines Rechenganges ist das Problem schnell aufgezeigt: Der mögliche Lüftungsquerschnitt bei einer 3 cm dicken Konterlatte ergibt sich aus: 3 cm x 100 cm = 300 cm² / Reduktion durch Traufgitter um mindestens 40% = 300 cm² - 120 cm² = 180 cm² / Reduktion um Konterlattenquerschnitt z.B. alle 60 cm = -13% / -20 cm² = 160 cm². Damit wäre jedes Dach, auf dem eine drei Zentimeter dicke Standard-Konterlatte verbaut wurde, nicht normgerecht.
Erst ab einer heute nur bei Aufsparrendämmsystemen üblichen Konterlattendicke von 4 cm ist eine normgerechte und der wichtigen Aufgabe angemessene Hinterlüftung realisierbar. Wer das weiß, sollte sich zumindest um einen möglichst großen Hinterlüftungsquerschnitt bemühen. 160 cm² Lüftungsquerschnitt pro laufendem Meter sind auf jeden Fall mit heutigen Mitteln realistisch.
Luftdichtheit sollte Standard sein
Aus Untersuchungen unterschiedlichster Institute ist bekannt, dass ein großer Teil der ausgebauten und bewohnten Dachräume NICHT luftdicht ausgeführt ist. Dies betrifft besonders die durch Laien ausgebauten Dachgeschosse. Erst in jüngster Zeit ist durch den Einsatz des Blowerdoor-Verfahrens im Rahmen der EnEV eine Verbesserung der Situation zu erwarten. Interessant ist in diesem Zusammenhang eine viel zitierte Aussage des Fraunhofer Instituts, wonach durch eine ein Millimeter breite und ein Meter lange Fuge im Laufe eines Jahres rund 800 g Feuchtigkeit in die Dachkonstruktion transportiert werden. Dabei kommt man zu der nicht ganz abwegigen Erkenntnis, dass Dachdeckungen zuweilen erwähnenswert auch von unten mit Feuchte belastet sind.
Diese extremen Belastungen müssen dann letztendlich durch Materialgarantien der Dachbaustoffhersteller abgedeckt sein. Dachbaustoffe und die empfohlenen Konstruktionen (Hinterlüftung) sollten oder müssten diesem Extremfall gerecht werden. Denn, wie heißt Murphys erstes Gesetz: „Wenn etwas schiefgehen kann, dann geht es schief.“ Demnach ist es angeraten, im schlimmsten Fall mit einer erheblichen Feuchtewanderung durch die Dachkonstruktion zu rechnen. Diese Feuchtigkeit gilt es, gezielt wegzulüften. Geschieht dies nicht, schlägt sich die Feuchtigkeit unter der Dachdeckung nieder und belastet diese. Die Zahl der Frost-Tau-Wechsel nimmt zu und die Dachdeckungen altern schneller. Solide und großzügig zu hinterlüften, ist demnach unerlässlich.
Zweifel an der Hinterlüftung?
Zwei oft diskutierte Punkte gilt es, zu erläutern. Zum einen ist es die Behauptung, dass die Hinterlüftung der Dachdeckung auch schaden könne. Diese Behauptung wird von keinem Unternehmen der Dachdeckungsbranche geteilt. Und wer sonst hätte ein größeres Interesse an der Klärung dieser Frage, wenn nicht diese Branche? Zum anderen gibt es die These, dass warmfeuchte Luft im Lüftungsraum eines Süddaches zum First aufsteigt, auf die Nordseite überläuft und dort wieder zur Traufe abfallen kann. Dabei kühlt die Luft ab und in Folge können in der Lüftungsebene Kondensate entstehen. Diese Behauptung scheint richtig zu sein, zumal Hersteller wie Koramic bei ihren neuesten Entwicklungen spezielle Spoiler für Firstanschluss-Lüfterziegel entwickelt haben, die diese Effekte unterbinden sollen. Die Spoiler sorgen dafür, dass ein am First vorbeistreichender Wind nicht in die Lüftungsebene eindringen kann, sondern beidseitig vom Firstziegel Sog erzeugt. Damit werden auch die Lüftungsebenen in Bewegung gesetzt, in denen nur wenig Konvektion herrscht, zum Beispiel kalte Nordseiten.
Rekorde in Sachen Hinterlüftung
Wie wichtig das Thema Hinterlüftung aufseiten der Dachziegelhersteller genommen wird, belegt die neueste Entwicklung eines Schiebe-Firstlüftungssystems für den Flachdachziegel Alegra von Koramic. Mit einem Lüftungsquerschnitt von 250 cm² wurde dabei eine neue Bestmarke erzielt, die die Forderungen aus der DIN 4108, Teil 3 (200 cm²) sogar übererfüllt. Diese Entwicklung ist nicht nur als eine konsequente Umsetzung der DIN zu verstehen. Sie zeigt auch die Felder, auf denen ein technisch führender Dachziegelhersteller Entwicklungspotenzial sieht.
Das leistungsfähige, vollkeramische Lüftungssystem sichert eine einwandfreie Funktion von 10 bis 65° Dachneigung. Der hierfür entwickelte, zylindrische Schiebefirst liegt auf dem Lüftungsplateau durch seine Form in einer Linie vollflächig auf. Geschützt wird die Firstauflage von hohen Spoilern. Sie sorgen dafür, dass der Regeneintrieb in das intensiv durchlüftete Plateau auf ein Minimum reduziert wird. Außerdem unterbinden die Spoiler unerwünschte Luftwanderungen über den First von Luv nach Lee. Die großzügige vollkeramische Firstlüftung bleibt stets intakt und kann nicht verstopfen.
Fazit:
Die Entwicklung des Daches vom Heuboden zum intensiv genutzten Wohngeschoss geht einher mit immer höheren Anforderungen an den Wärmeschutz. Energiesparende Dachgeschossausbauten müssen zudem hohe Anforderungen an die Dichtigkeit der Gebäudehülle erfüllen. Ein wichtiger Bestandteil des zunehmend komplexen Dachaufbaues ist die Hinterlüftung der Dachdeckung. In dieser Ebene wird etwaige, in die Konstruktion eingedrungene Feuchtigkeit abtransportiert. Die DIN 4108, Teil 3, fordert für die Hinterlüftung von Dachdeckungen einen Lüftungsquerschnitt von 200 cm². Erste hoch leistungsfähige, vollkeramische Lüftungssysteme wie von Koramic überbieten sogar diese Vorgabe und zeigen auf, wo die Dachziegelhersteller die Zukunft sehen.
FOTOS:
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Foto 1: Entwicklung des Daches vom Heuboden zum ausgebauten, luftdichten, winddichten, wärmegedämmten, brand- und schallgeschützten Wohnraum.
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Foto 2: Alte, flügelige oder kleinteilige Dachziegel benötigten keine Hinterlüftung. Sie lüfteten sich selbst.
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Foto 3: Ungenutzte Dachböden sind riesige Lüftungsräume.
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Foto 4: Lüftungsebene eines modernen Ziegeldaches.
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Foto 5 + 6 + 7: Firstlüftungssysteme wie hier von Koramic sind äußerst wichtige Bausteine bei der Hinterlüftung einer Dachdeckung.
Alle Fotos: Koramic
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Rathscheck Schiefer im Internet: www.koramic.de
