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Reportage: Schiefer-Design-Fassade für Friedhofskapelle
Mittwoch, 8 August, 2007
Die Würde des letzten Weges
Schiefer im eleganten Streifenanzug
Der Neubau einer Friedhofskapelle zählt nicht zum Alltägli¬chen. In Wuppertal entstand ein Bauwerk dieser besonderen Art. Eine Schieferfassade prägt das Äußere des schlichten Kubus.
Was ist eine Friedhofskapelle? Ein Raum, der dem Tod Respekt zollt, der einen würdigen Umgang mit der Trauer ermöglicht, eine Umgebung, die den Trauernden Intimität sicherstellt, ein Ort an dem sich Betroffene vorübergehend wohl fühlen, eine Raum-Atmosphäre, die Optimismus ausstrahlt und noch vieles mehr. Die Friedhofskapelle in Wuppertal-Ronsdorf fügt sich darüber hinaus einer speziellen Forderungen der Bauherren. Das Raumprogramm auf knappen Grund war äußerst anspruchsvoll.
Die alte Kapelle, die einst an gleicher Stelle stand, bot zu wenige Sitzplätze, hatte keinen Abschiedsraum und keine zeitgemäße Kühlung. Anstelle des über 100 Jahre alten Gebäudes sollte auf dem alten Wuppertaler Friedhof, ohne größeren Flächenbedarf, d.h. ohne Grabverlegungen im Umfeld, mehr Fläche in der Trau¬erhalle und mehr Funktionalität erreicht werden.
Die zuständige Gemeinde hat viele Ideen entwickelt, kam aber zu keiner Entscheidung. Die letzten Entwürfe gingen von einem unterkellerten Gebäude aus, das viele wichtige Funktionen im Keller beherbergte und nur mit aufwendiger Aufzugstechnik funktionierte.
Nach einem beschränkten Wettbewerb an dem sich fünf Architekturbüros beteiligten, kam der Entwurf der Architekten
F. Pusch und k2-architekten aus Wuppertal zum Zuge. Den Architekten ist es vor allem gelungen, das ambitionierte Raumprogramm mit geringem technischen Aufwand und damit kostengünstig zu realisieren. Die flächensparende Kernidee des Entwurfes ist die Verlegung der Verkehrsflächen nach außen. Abschiedsraum und Kühlraum sind von außen erreichbar und für die Bestattungsunternehmen mit Fahrzeugen direkt anfahrbar. Auch die Gästetoilette ist von außen zugänglich. Die Trauerhalle bietet mit 126 Sitzplätzen ein unerwartet großes Platzangebot. Im kleinen Untergeschoss mit Lichthof rund um die Treppe sind reine Funktionsräume untergebracht. Hier ist Platz für die Heizung, die Haustechnik, einen Putzmittelraum, eine Bedienstetentoilette, einen Aufenthaltsraum für die Träger und einen Raum für die Geistlichen.
Das neue Gebäude steht, wie die alte Kapelle, exakt in der Wegeachse der alten Friedhofswege. Die Architekten verstehen den Neubau als eine moderne Interpretation der vorherigen Kapelle. Diese muss zu ihrer Zeit, so die Einschätzung der Planer, mit ihrem sechseckigen Grundriss, der schlichten Ausprägung, der vollflächigen Verschieferung von Dach und Wand und nur wenigen christlichen Symbolen, auch als sehr modern gegolten haben.
Die zentrale kubische Trauerhalle ist komplett mit einer Schiefer¬fassade bekleidet. Der Eingangsbereich mit Überdachung, Unterkellerung und Gästetoilette sowie der Abschiedsraum und der Kühlbereich sind als angegliederte Gebäudeteile aus Beton erstellt. Schmale Lichtbänder trennen diese Räume optisch von der Halle. Die Halle selbst ist ein moderner Holzständerbau mit ca. 20 cm Wärmedämmung in Wand- und Dachbauteilen. Die schlanke Konstruktion mit vorgehängter hinterlüfteter Schiefer¬fassade und innerer Installationsebene bringt es auf eine Wanddicke von nur 36 cm. Ein wichtiger Vorteil dieser Bauweise ist außerdem die schnelle Aufheizbarkeit der Halle für die relativ kurze Zeitdauer einer Trauerfeier. Dies bedeutet für die Gemeinde eine erhebliche Einsparung von Heizkosten.
Die Schieferfassade
Die Schieferfassade baut auf waagerechten Traglatten 80×30 mm auf. Diese Traglatten entsprechen bereits dem Raster der Fassade, denn direkt auf diesen Latten sind die gefalteten Zinkstreifen montiert. Diese Zinkstreifen ähneln in ihrer Funktion Kappleisten mit angekantetem Traufprofil. Das insgesamt 8 cm hohe, gefaltete Zinkblech liegt zur Hälfte (4 cm) flach unter einem Schiefer, die andere Hälfte (4 cm) deckt den darunter liegenden Schiefer ab. Damit wird die angestrebte Höhenüberdeckung von 4 cm realisiert. Beim Einsatz von Schiefern der Größe 60 x 30 cm entsteht daraus ein waagerechtes Raster von etwa 26 cm sichtbarem Schiefer, 4 cm sichtbarem Zink, wieder 26 cm Schiefer usw.
Die zwei Meter langen Zinkscharen sind mit Langlöchern versehen. Diese Langlöcher sichern eine ungehinderte, spannungsfreie Temperaturausdehnung der Zinkstreifen. Die Scharen sind mit Zinknägeln auf den Traglatten aufgenagelt. Passende Zwischenstücke hinterlegen die Fugen zwischen den einzelnen Scharen und erlauben eine ungehinderte Temperaturausdehnung.
Die geforderte Seitenüberdeckung von 4 cm wird mit einem 8 cm breiten, schwarz lackierten Zinkstreifen sichergestellt. Links und rechts von diesem Streifen werden 4 cm hohe Schieferklammern über die Traglatten gehängt. Wegen der fehlenden Überdoppelung der Schiefer wurden hier nicht 30er, sondern 24er-Klammern eingesetzt. Diese Schieferklammern sind der untere Halt der Schiefer, bis der darüberliegende Zinkstreifen diesen Schiefer auf die Traglatte drückt. Der alle 30 cm festgenagelte Zinkstreifen entwickelt dabei eine federnde Wirkung und drückt den Schiefer im oberen Bereich sanft auf die Konstruktion. Die Verlegung geht schnell und reibungslos, wobei die Dachdecker genau auf die Vorgaben des Architekten achten mussten. Dieser hatte eindeutige Vorstellungen wo z. B. die Zinkscharen anfangen und enden sollten. Die Fugen hatten bei Schiefern wie bei den Zinkscharen stets exakt übereinander zu stehen.
In gleicher Manier überlies der Architekt auch die Ecken nicht dem Zufall. Hier kamen exakt im rechten Winkel zueinander gelötete Profile zum Einsatz, womit die Geometrie der Zinkwinkel, von den Ecken ausgehend, sehr exakt vorgegeben war. Auf diese Weise bilden die großen Schieferplatten und die Zinkprofile eine elegante ebene Einheit. Hier wellt und krümmt sich kein Zink und in der Spiegelung der Sonne entstehen, basierend auf dem seidigen Glanz der Schiefer, hochwertige Ansichten.
Die Friedhofskapelle in Wuppertal ist ein Beispiel für eine moder-ne Interpretation des Themas Schieferfassade. Überraschend ist die optische Wirkung des Gebäudes, in dem sich das Umfeld widerspiegelt. Dabei verändern die Jahreszeiten das Bild des Gebäudes. Im Sommer wirkt die Kapelle leicht grünlich, im Winter strenger und dunkler.
Fazit:
Die Schieferfassade der neuen Friedhofskapelle in Wuppertal erinnert an die einst hier stehende alte verschieferte Kapelle und ist zugleich eine moderne Interpretation des Themas. Waage¬rechte gefaltete Zinkstreifen sichern bei dieser Fassade die Höhenüberdeckung, hinterlegte Zinkstreifen die Seitenüber¬deckung. Die 60 x 30 cm großen Schiefer sind darin eingehakt. Daraus resultiert eine reizvolle waagerechte Bänderung der Fassade.
BAUTAFEL:
Objekt: Neubau einer Friedhofskapelle in Wuppertal-Ronsdorf
Bauherr: Evangelische Kirchengemeinde Wuppertal-Ronsdorf
Architekten: k2-architekten, Wuppertal und F. Pusch, Wuppertal
Dachdecker: Frank Hunker Bedachungs-GmbH, Hückeswagen
Schiefer: Rathscheck Schiefer, InterSIN, Rechtecke 60 x 30 cm
Abbildungen:
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Foto 1: Die alte sechseckige Kapelle kurz vor dem Abriss.
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Foto 2: Holzständerbau der Kapelle.
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Foto 3: Von den Ecken aus werden die Zinkprofile sorgfältig verlegt.
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Foto 4: Funktionsschema am Objekt.
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Foto 5: Langlöcher in den Zinkstreifen nehmen etwaige Temperaturausdehnungen auf. Zwischenstücke sorgen für den Übergang.
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Foto 6: Die Schiefer werden mit Klammern gehalten.
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Foto 7: Systemaufbau am Objekt.
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Foto 8: Zwei Klammern halten jeden Schiefer unten fest.
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Foto 9 + 10 + 11 + 12 + 13: Die neue Kapelle auf dem Friedhof in Wuppertal-Ronsdorf.
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Foto 14 + 15: Das Umfeld der Kapelle folgt dem Farbmuster der Fassade.
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Foto 16 + 17+ 18: Edler Schieferglanz prägt die feierliche Atmosphäre der Kapelle.
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Foto 19 + 20 + 21 + 22: Reizvolles Zusammenspiel von Naturstein, Glas, Beton und Holz.
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Foto 23: Die Tauerhalle mit subtilem Lichteinfall.
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Foto 24 + 25: Kleiner Abschiedsraum mit großer Wirkung über raffinierte Lichtführung.
Zeichnungen: (siehe Dateinamen)
FOTOHINWEISE:
Foto 1 und 2 sowie alle Zeichnungen: k2-architekten
Alle anderen Fotos: Rathscheck Schiefer
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