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Reportage: Moselschiefer in der Denkmalpflege
Mittwoch, 8 August, 2007
Moselschiefer®: Eine der ältesten Marken der Welt
Baustoff der Großen / Jenseits aller Moden
Er wird seit Jahrhunderten auf den schönsten Dächern der Welt verarbeitet. Moselschiefer fasziniert die großen Baumeister und ist so aktuell wie nie zuvor. Alles spricht dafür, dass es so bleibt.
Moden kommen und gehen. Es gibt nur wenige Baustoffe, die die Jahrhunderte in Verarbeitungstechnik und Detaillierung so ursprünglich überstanden. Alles ist im Wandel. Auf der Suche nach etwas Neuem wurde schon so mancher Baustoff geschaffen, von dem heute niemand mehr spricht. Schiefer entzieht sich solch modischen Begehren. Er ist ein absolutes Original, eine überaus gelungene Schöpfung der Natur.
Berühmt
Erstmals im Jahre 1588 wurde Moselschiefer urkundlich erwähnt. Das war ursprünglich der Schiefer, der über die Mosel verschifft wurde. Im 16. Jahrhundert hat sich niemand Gedanken darüber gemacht, dass mit der Bezeichnung Moselschiefer wohl eine der ersten und ältesten Marken der Welt geschaffen wurde. Es sprach sich schnell herum, dass der Schiefer, der über die Mosel transportiert wurde, von bester Qualität war. Er war so gut, dass sich die langen Transportwege lohnten, denn die Dachdecker waren bereit, für diesen Schiefer mehr zu bezahlen. Geologie und Handel ordneten in der Folgezeit den Begriff Moselschiefer bestimmten Tonschiefervorkommen zu. Das verarbeitende Dachdeckerhandwerk führte schließlich genauere Herkunfts- und Qualitätsbezeichnungen ein. Der Begriff Moselschiefer steht heute für Schieferbergwerke im Raum Mayen, die Dachschiefer von sehr hoher Qualität liefern.
Mit Moselschiefer, dem „Gold der Eifel“ wurden schon vor Jahrhunderten viele berühmte Dächer gedeckt. Die Bauten gehören heute nicht selten zum Weltkulturerbe. Dächer von so berühmten Bauwerken wie Burg Eltz oder aktuell das des Holstentors belegen zum einen die Qualität und Haltbarkeit einer Schieferdeckung, zum anderen das Vertrauen, das dieses Material heute mehr denn je geniest.
An der Entwicklung der Verlegetechnik, speziell der Altdeutschen Deckung hat das Handwerk nicht Jahre, sondern Jahrhunderte gearbeitet, gepfeilt und geschliffen. Am Schieferdach ist heute jedes Detail ausgereift, perfekt, im Detail verlässlich. Viele aktuelle Probleme wie Entsorgung oder Sturmanfälligkeit sind am Schieferdach nicht bekannt. Hier kann sich das Handwerk voll und ganz auf das Detail konzentrieren. Es gibt klare Regeln, keine Experimente, aber immer wieder neue Herausforderungen.
Die neuesten technischen Erkenntnisse bestätigen Bekanntes. Ein wunderbares Beispiel ist die Sturmfestigkeit der Altdeutschen Deckung. Als hätten es unsere Vorfahren gewusst, ist die Verjüngung der Gebinde zum First hin für die Altdeutsche Deckung nicht nur ein ästhetisches, sondern auch ein interessantes technisches Merkmal. Je höher ein Dach wird, um so kleiner werden die Steine. Kleinere Steine bedeuten automatisch auch mehr Nägel, höhere Zugfestigkeiten und eine noch höhere Sturmfestigkeit. Welche Dachdeckung kennt eine solche Raffinesse? Eine mit konisch geschmiedeten Schiefernägeln befestigte Altdeutsche Deckung, Steingröße 1/16, kann pro Quadratmeter Dachfläche einem Windsog von 4600 N widerstehen. Gleiches gilt für die kleinteilige Hinterlüftung einer Deckung. Wo Stürme am Dach zerren, da reagiert die Schieferdeckung mit kleinteiliger Lüftung. Je kleiner die Steine, umso ausgeprägter die kleinteilige Lüftung und um so sturmfester die Schieferdeckung. Viele geniale Dinge sind so einfach mit Schiefer.
Früher galten Erfahrungen, heute sind es Normen. Seit 0ktober 2004 befindet sich die neue harmonisierte europäische Schiefernorm in der sogenannten Koexistenzphase. Die DIN EN 12326-1 wurde bereits in das Produktdatenblatt der Schiefer-Fachregeln des ZVDH übernommen. Dabei tauchen drei neue Codes auf. A1 und A2 stehen für die Wasseraufnahme und die Frostbeständigkeit eines Schiefers, T1, T2 und T3 für die Temperaturwechselbeständigkeit und S1, S2 und S3 für die Säurewiderstandsfähigkeit. Moselschiefer ist stets in die Codestufe 1 eingeordnet. Eine 400 Jahre alte Qualitäts-Marke ist somit auch per Norm bestätigt.
Bereits im 3. Jahrhundert wurde Schiefer in der Eifel abgebaut. Durch geologische Untersuchungen weiß man heute, dass die Moselschiefer-Vorkommen noch für Generationen reichen.
Begeisternd
Für den unbedarften Betrachter faszinierend, archaisch, ästhetisch. Für den Dachdecker ein Thema der Handschrift, eine Kunst, der sich immer mehr Handwerker hingeben. Es ist nicht einfach, ein guter Schieferdecker zu werden. Der Lohn der Mühen sichert allerdings berufliche Zufriedenheit und Arbeitskollegen neben sich, denen es ähnlich geht. Es gibt nur wenige Baustoffe und Berufe, die dies bieten. Wer kann schon auf den schönsten Dächern Deutschlands mitarbeiten und zum Feierabend stolz auf eine gelungene Kehle oder eine elegant gedeckte Gaube zurückblicken und überall die eigene Handschrift sehen.
Abbildungen:
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Foto 1: Schieferarbeiten an der historischen Ulrepforte in Köln. Altdeutsche Deckung in Moselschiefer gehört in der Denkmalpflege zum guten Ton.
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Foto 2: Sturmfestigkeit inklusive. Die Altdeutsche Deckung bewährt sich auch auf hohen Dächern.
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Foto 3: Ein starker Charakter muss sich nicht verbiegen lassen. Seine Harmonie und Schönheit sind dennoch perfekt.
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Foto 4 + 5: Die Baumeister wussten schon immer natürliche Baustoffe zu schätzen, denn die Natur erschafft ewige Werte.
Fotos: Rathscheck Schiefer
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