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Fachbericht: Rathscheck Schiefer: Dynamische Rechteckdeckung für Schule
Mittwoch, 8 August, 2007
Prägende Schieferfassade
Starkes Stück Architektur
Der Erweiterungsbau des Schulzentrums Ailingen präsentiert sich als ein neues Zentrum inmitten einer älteren Schulanlage. Das „starke Stück Architektur“ ist geprägt von einer innovativen Schieferfassade.
Im Zuge der Erweiterung des Schulzentrums Ailingen bei Friedrichshafen am Bodensee entstand ein neues zentrales Gebäude. Der Schieferkubus präsentiert sich als architektonisch stark prägendes Gebäude, das die Altbauten aus den 60er und 70er Jahre dominant zu verbinden vermag. Die Realschule, ein Stahlbetonskelettbau mit Klinkerausfachung aus dem Jahr 1963 und die Grund- und Hauptschule, ein Betonbau mit Alu-Trapezblechbekleidung aus dem Jahre 1971, ordnen sich dem neuen Bauwerk unter. Während die beiden Altbauten längs des Hanges stehen, nimmt der Neubau eine verbindende Querposition ein. Einerseits in den Hang eingegraben, andererseits weit über dem abfallenden Gelände schwebend, nimmt der Neubau für sich eine Sonderstellung ein.
Der Erweiterungsbau der Architekten Hildebrand + Schwarz aus Friedrichshafen erstreckt sich über vier Ebenen. Im Untergeschoss ist Platz für Sozialräume. Die zentrale Eingangshalle befindet sich im Erdgeschoss. Sie wird als Aula, Musikraum und bei Schlechtwetter auch als Pausenraum genutzt. Das erste Geschoss beherbergt einige Unterrichtsräume und Lehrerzimmer, im Obergeschoss sitzt die Verwaltung beider Schulen.
Von der Schiefertafel zur Schieferfassade
Bei der Gestaltung der Fassade stand für die Architekten von vornherein fest, dass Schiefer eingesetzt werden sollte. Schiefer in Form von Schiefertafeln, früher ein in den Schulen gängiges Schreibwerkzeug, inspirierte die Planer. Heute schätzen die Architekten das lebhafte Farbspiel des Spaltgesteines vom tiefen Schwarz über das seidig glänzende Blaugrau bis hin zum strahlenden Glanz in der Sonne.
Ursprünglich war geplant, eine hinterlüftete Fassade mit bewährter Putzträgerplatte und darauf aufgeklebten Schieferriemchen einzusetzen. Doch kamen dabei Bedenken bezüglich der Nachhaltigkeit auf. Nach der eingehenden Prüfung von Metall- und Natursteinfassaden sowie Wärmedämm-Verbundsystemen entwickelten die Architekten die Idee einer abgewandelten traditionellen Schieferfassade. Rathscheck Schiefer aus Mayen stand hierfür beratend zur Seite. Die ausgeführte, als nachhaltig eingestufte Fassade (Vorgabe der Stadtverwaltung) entspricht in ihrer Ausformung exakt dem ursprünglichen Entwurf mit dem kleinen Unterschied, dass die Schiefer nicht als Riemchen auf einem Putzträger geklebt, sondern vielmehr in traditionell bewährter Schieferfassadentechnik mit Überdeckung aufgenagelt sind.
Hinter der Fassade verbergen sich 2×6 cm Mineralwolle. In U-förmigen Aluhaltern sind senkrechte Kanthölzer 6×12 cm und darauf eine 30 mm dicke waagerechte Vollschalung montiert. Eine diffusionsoffene Vordeckung schließt die Unterkonstruktion ab.
An die Fachregel angelehnt
Die Architekten entwarfen ein exaktes Verlegemuster. Es besteht aus einer unregelmäßigen Folge von verschieden hohen Steingebinden. Sie sind in der Ansichtsfläche fünf, zehn oder fünfzehn Zentimeter hoch. Die Lage, Höhe und Wiederholung der Gebinde ist über mehrere Meter vorgegeben gewesen. Lediglich bei der Lage der Stoßfugen der Schieferplatten hatten die verarbeitenden Dachdecker freie Hand. Es sollte allerdings der Eindruck eines wilden Verbandes entstehen. In der Senkrechten durften sich die übereinander stehende Stoßfugen über mehrere Reihen nicht wiederholen.
Dachdeckermeister Roland Schösser aus Lichtenberg erhielt den Auftrag. Für das in der Denkmalpflege versierte Unternehmen war diese moderne Fassade eine interessante Herausforderung. Hier erwiesen sich die Erfahrungen des Betriebes aus der ebenfalls anspruchsvollen Vorgehensweise bei der Altdeutschen Deckung als überaus nützlich.
Die Architekten hatten diese Fassade ursprünglich als Doppeldeckung geplant. Doch bei stark variierenden Gebindehöhen und kleinstem sichtbaren Gebinde von nur 5 cm machte das Dachdeckerunternehmen darauf aufmerksam, dass es starke Aufdoppelungen geben würde. Die Fassade würde durch die dichteren Schieferlagen bei den 5-Zentimeter-Gebinden „ausbeulen“. An einem Modell wurde das Problem aufgezeigt. Die Schieferfassade wurde darauf hin als einfache Rechteckdeckung mit hinter den Stoßfugen eingelegten Alustreifen verbaut.
Die Fachregel kennt eine solche Fassade wie in Ailingen nicht. Dennoch hielt sich DDM Schösser an die Vorgaben aus der Fachregel für ähnliche Deckarten. Die Mindesthöhenüberdeckung liegt bei 4 cm (z.B. Rechteck-Doppeldeckung), die Mindestseitenüberdeckung auch bei 4 cm (z.B. gezogene Rechteckdeckung). Die fehlende Überdoppelung ist durch einen 8 cm breiten, schwarzen Alustreifen im Stoßfugenbereich gesichert. Alle Steine wurden mit drei Edelstahl-Schiefernägeln befestigt.
Quasi in Manier einer Wilden Deckung wurden die unterschiedlichen Schiefergrößen organisiert. DDM Schösser bestellte fünf verschiedene Steinformate. Aus dem Standardangebot stammen Rechtecke der Größe 40×20 cm und 60×30 cm. Ebenfalls aus der Standardpalette kommt der Kehlstein mit der Größe 42×14. Sonderanfertigungen waren Rechtecke mit den Maßen 50×15 cm und 50×20 cm. Eingesetzt wurde InterSIN-Schiefer.
Gebindehöhe 15 cm: Für die Gebindehöhe von 15 cm, sind inklusive der Höhenüberdeckung von mindestens 4 cm, Steine mit einer Mindesthöhe von 19 cm gefordert. Dafür wurden Rechtecke 40×20 cm und 50×20 cm sowie durch 2/3-Teilung aus 60×30-Steinen auch 60×20 cm große Schiefer eingesetzt.
Gebindehöhe 10 cm: Für die sichtbare Gebindehöhe von 10 cm werden Steine mit einer Höhe von mindestens 14 cm benötigt. Dafür konnte der Kehlstein 42×14 cm und Rechtecke 50×15 cm direkt verwenden werden. Die geringfügig abweichenden Steinhöhen wurden in der Überdeckung verdeckt. Weitere Steine für diese Gebindehöhe wurden durch die Halbierung der 60×30-Rechtecke zu 60×15-Rechtecken gewonnen.
Gebindehöhe 5 cm: Für eine sichtbare Gebindehöhe von 5 cm genügen theoretisch Steine mit einer Gesamthöhe von 9 cm. In der Praxis zeigte sich aber, dass 9 oder 10 cm hohe Steine bei der Verlegung eine erkennbar andere Neigung aufwiesen als die höheren Steine in der Fassade. Die Sperrung war sichtbar. Deshalb wurden die 5-cm-Gebinde mit gleich hohen Steinen gedeckt wie die 10-cm-Gebinde. Die höhere Überdeckung sichert eine durchgehende Ästhetik.
Die Schiefer wurden am Boden mit einer wassergekühlten Diamantsäge auf Höhe gesägt oder halbiert, dreifach gelocht und entsprechend den Anforderungen an der Fassade sozusagen „gegattert“ gelagert.
An der Fassade strebten die Dachdecker einen seitlichen 1/3-Verband an, oder einen Fugenversatz von etwa 6 bis 10 cm. Die vorgegebene Reihenfolge der verschiedenen Gebindehöhen wurde exakt nach Zeichnung der Architekten eingehalten. Wichtig war, dass sich über mehrere Reihen hinweg keine Stoßfugen in direkter Nachbarschaft übereinander befinden durften. Auf diese Weise wurde der Eindruck eines „Schichtmauerwerkes“ erzielt.
Details:
Aus den verschiedenen Steinhöhen ist zu ersehen, dass die Steine fast immer etwas höher waren als gefordert. Die Ausrichtung der Gebinde unterhalb und oberhalb der Fenster war damit problemlos machbar. An den Ecken und an den Fensterlaibungen empfahl der Dachdecker eine elegant eingekämmte Deckung. Den erhöhten Zeitaufwand für eine solche handwerklich anspruchsvolle Detaillierung waren die Auftraggeber allerdings nicht bereit zu bezahlen. So einigte man sich auf eine um etwa 1 cm überstehende Fassadenhauptfläche. Die Ecken und Fensterlaibungen wurden mit einem 15 cm breiten Aluminiumzuschnitt und flachgedrückter Wasserfalz, etwa 2 x 6 cm zu jeder Seite unterlegt.
Der über das abfallende Gelände auskragende Gebäudeteil ist auch von unten mit Schiefer bekleidet. Hier ist unter anderem die Lüftungsebene am Lüftungsgitter erkennbar. Die Schiefer, am Rand 40×20 cm, in der Fläche 40×40 cm sind mit zwei Edelstahlschrauben befestigt und zusätzlich mit einem speziellen Kleber unter die OSB-Deckenplatten geklebt.
Die Schule in Ailingen ist ein interessantes Beispiel für die Vielseitigkeit von Schieferdeckungen. Die hier kreierte Dynamische Rechteckdeckung beweist, dass im Rahmen der Fachregeln viele interessante Lösungen in Schiefer möglich sind. Daraus ergeben sich für das engagierte Handwerk immer wieder neue Arbeitsfelder auch im Sektor anspruchsvoller Fassadenlösungen.
Fazit:
Der Erweiterungsbau des Schulzentrums Ailingen erhielt eine neuartige Schieferfassade. Die sogenannte Dynamische Rechteckdeckung zeigt ein völlig neuartiges Bild des Schiefers. Kreative Architekten und begeisterungsfähige Dachdecker haben in Ailingen etwas ganz Besonderes geschaffen.
Bautafel
Objekt: Erweiterungsbau des Schulzentrums Ailingen
Bauherr: Stadt Ailingen
Architekt: Hildebrand + Schwarz, Friedrichshafen
Dachdecker: DDM Roland Schösser, Lichtenberg, Inhaber der Ehrenurkunde 2002 – Handwerk in der Denkmalpflege, Bundespreis im Dachdeckerhandwerk.
Schiefer: Rathscheck Schiefer, InterSIN
Abbildungen:
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Foto 1 + 2 + 3 + 4 + 5 + 6 + 7: Als starkes Verbindungsglied zwischen zwei Altbauten aus den 60er und 70er Jahren präsentiert sich der neue Erweiterungsbau des Schulzentrums in Ailigen am Bodensee.
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Foto 8 + 9 + 10: Erweiterungsbau des Schulzentrums in Ailingen: Dominanter Querriegel mit prägendem Farbenspiel.
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Foto 11 + 12 + 13 + 14 + 15 + 16: Die Dynamische Rechteckdeckung überzeugt mit der reizvollen Optik eines Schichtmauerwerks.
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Foto 17 + 18: Blick unter den auskragenden Gebäudeteil. Schiefer auch von unten.
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Foto 19 + 20: Die überstehende Schieferfassade an den Gebäudeecken erlaubt Einblicke in die Deckung.
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Foto 21 + 22: Blick von innen nach außen auf die Schieferfassade.
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Foto 23 + 24: Schalungsrauer Sichtbeton und Holz prägen das neue Gebäude innen.
Fotos: Rathscheck Schiefer
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Foto 25: Grundriss des Neubaues
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Foto 26: Detaillierte Zeichnung der Schieferfassade mit exakter Angabe der Gebindelagen.
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Foto 27: Schnitt durch die Fassade mit Fensteranschluss, Attika und Flachdach.
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Foto 28: Schnitt durch die Fassade mit Deckenbekleidung im offenen Außenbereich.
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Foto 29: Wandaufbau in der Ecke.
Fotos: Architekten Hildebrand + Schwarz
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Rathscheck Schiefer im Internet: www.rathscheck.de
