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Fachbericht: Die Regensicherheit
und die herstellereigene Regeldachneigung
Mittwoch, 8 August, 2007
Flach und flacher
Regeldachneigungen unterhalb der Regel
Von den Besonderheiten des flach geneigten Daches
Die Regeldachneigung und ihre Unterschreitungsmöglichkeiten sind zu einem Feld der Produktentwicklung avanciert. Neue Techniken fördern die Entwicklung zu immer flacheren regensicheren Ziegeldeckungen.
Jedes Produkt unterliegt einer Entwicklung. Auch beim Dachziegel sind nach 3000 Jahren noch Details verbesserungsfähig. Immer wieder gibt es Neuerungen, die so manche Regel auf den Kopf stellen. Zurzeit ist es die Regeldachneigung aus der Fachregel des ZVDH, die von neuen, optimierten Dachziegelmodellen überboten wird. Ein Dachziegelmodell mit einem höheren Leistungspotenzial, als in der Fachregel festgeschrieben, wird zuerst über herstellereigene Garantien in den Markt eingeführt. Es ist davon auszugehen, dass diese Entwicklung in einigen Jahren zum Stand der Technik gehört und die Fachregel entsprechend angepasst wird.
Regeldachneigung nach Regel?
Bei welcher Dachneigung funktioniert ein Dachziegel? Eigentlich ist die Antwort ganz einfach. Ein Flachdachziegel zum Beispiel kann laut Fachregel des ZVDH bis zu einer Regeldachneigung von 22° verlegt werden. Das ist die unterste Dachneigungsgrenze, bei der sich in der Praxis eine Dachdeckung als regensicher erwiesen hat. So steht es in der Fachregel.
Im allgemeinen Trend zu immer flacheren Dächern ist jedes Grad, das ein Dachziegel flacher verlegt werden kann, ein Vorteil für den Verarbeiter, aber auch für den Planer. Dieses Argument kann auch im hohen Norden überzeugen, wo Dächer traditionell viel steiler gebaut werden. Planer und Handwerk gehen zurecht davon aus, dass ein Dachziegel mit einer geringeren Regeldachneigung im windigen Norden eine höhere Funktionsreserve bietet. Dachziegel, die bei geringerer Dachneigung funktionieren, sind auch ein Beweis für den technischen Stand eines Produktes und die Innovationskraft eines Unternehmens.
Die Dachziegelhersteller nennen einige Gründe, warum sie die Regeldachneigung ihrer Dachziegelmodelle unter die Regeldachneigungen aus der Fachregel absenken können. Gründe sind unter anderem, neben der technischen Entwicklung der Dachziegelmodelle, die besseren Testmöglichkeiten. Ein Beispiel: Die Fachregel spricht bei einem Flachdachziegel sinngemäß von einem Pressdachziegel mit mehrfacher Ringverfalzung, dessen Wasser führende Kopf- und Seitenfalze nicht unterbrochen sind. Profis wissen heute, dass gerade diese Beschreibung nicht mehr aktuell ist. Ein zusammenhängend durchgehender Kopf- und Seitenfalz, und das ist labortechnisch bewiesen, kann auch Nachteile haben. Gelangt nämlich bei Regeneintrieb Wasser in den Kopffalz, kann es bei ununterbrochenen, zusammenhängenden Falzsystemen auch in den Seitenfalz laufen. Die Regensicherheit ist dann komplett gefährdet. Heutiger Stand der Technik sind Kopf- und Seitenfalze, die voneinander getrennt sind und auch getrennt entwässern. Ein weiteres fachregeltypisches Merkmal eines Flachdachziegels ist der Spoiler an der Seitenfalz. Dieser Spoiler ist bei stimmiger Gesamtkonstruktion nicht immer erforderlich. Angeblich, so Horst Ruscheinsky, Anwendungstechniker von Koramic, gibt es auf dem deutschen Markt kaum noch einen richtigen Flachdachziegel im Sinne der Fachregel des ZVDH.
Neue technische Entwicklungen
Die Produktentwicklungsarbeit, die die verschiedenen Dachziegelhersteller in Bezug auf die Regensicherheit ihrer Produkte unternehmen, führt zu unterschiedlichen Ergebnissen. Das können komplett neue Dachziegelformen, komplexe Mehrfachverfalzungen oder Optimierungen vorhandener Systeme sein. Grundsätzlich erscheint jede Produktveränderung nur dann sinnvoll, wenn sie sich in der rauen Baustellenpraxis als tauglich erweist. Ein erfolgreicher Dachziegel muss deshalb eine gewisse Funktionsreserve besitzen. Es darf nicht sein, dass etwa bei kleineren Beschädigungen der Falze die Regensicherheit gefährdet ist.
Ein Beispiel für die erfolgreiche Weiterentwicklung von Falzsystemen ist der Flachdachziegel Alegra 10 von Koramic. Für diese Entwicklung wurden verschiedene Falzsysteme geprüft und ein scheinbar einfaches optimiert. Das Ergebnis sind tiefe Falze mit Luftzwischenräumen, die kaum verschmutzen können und die sich, egal wie die Ziegeldeckung gezogen oder gedrückt ist, untereinander nicht berühren. Zu diesem Zweck besitzt der Alegra 10 spezielle Distanzhalter (Anschlagklötzchen), die verhindern, dass sich die Seitenfalze zu nahe kommen. Damit wird zum einen der Verstopfung der Falze vorgebeugt, zum anderen eine mögliche Kapillarwasserbildung unterbunden.
Die Regeldachneigung des Alegra 10 beträgt 18°. Bis 12° Dachneigung (minus 6° konform zur Fachregel) kann der Dachziegel mit einer Unterspannbahn auf Wohnbauten verlegt werden, wenn keine erhöhten konstruktiven und klimatischen Anforderungen bestehen. Mit einem wasserdichten Unterdach kann der Dachziegel theoretisch bis 8° Dachneigung verlegt werden. Doch die Empfehlung ist eindeutig: Ein geneigtes Dach sollte laut Fachregel nicht flacher als 10° sein. Die meisten Dachziegelhersteller sind sich wohl einig, dass 10° die geringste Dachneigung darstellt.
Einheitliche Testnorm nicht in Sicht
Seit Jahren wird an einer neuen, aussagefähigen Testnorm gearbeitet, um die von den Herstellern optimierten Dachziegelmodelle nach einheitlichen Kriterien besser beurteilen und vergleichen zu können. Doch die Prüfmodalitäten sind zurzeit umstritten, denn je nach Testverfahren entstehen in den Labors bisher immer wieder stark abweichende und dabei oft noch nicht einmal tendenzielle Ergebnisse. Selbst seit Jahrzehnten in der Praxis bewährte Dachziegelmodelle liefern je nach Testverfahren teilweise grundverschiedene Daten. Und so arbeitet jedes Unternehmen weiter mit eigenen Methoden und Erfahrungen. Planer und Bauherren ziehen ihre Vorteile daraus. Sie können besser ihre Wünsche nach mediterran flachen Dächern realisieren. Andererseits muss die Industrie äußerst gründlich arbeiten, um nicht mit Regressansprüchen konfrontiert zu werden.
Das Testverfahren, das Koramic einsetzt, liefert Ergebnisse, die mit den Erfahrungen aus der Praxis übereinstimmen. Horst Ruscheinsky ist als Anwendungstechniker des Unternehmens auch für den Alegra 10 in Deutschland verantwortlich. Er sagt dazu: „Wir erreichen mit unseren Testverfahren reale, reproduzierbare Ergebnisse, die mit den Praxisbedingungen übereinstimmen. Wir kennen die maximale Belastung und erzielen immer wieder vorhersehbare Resultate. Das gibt uns die Sicherheit, die wir für eine erfolgreiche Produktentwicklung benötigen. Deshalb sind wir sicher, dass unsere Verfahren zu anwendbaren Ergebnissen führen. Auf Basis unserer praxisnahen Tests können wir heute Änderungen von Details in der Formgebung und ihre Auswirkung nachvollziehbar prüfen. Damit ist es möglich, vorteilhafte Eigenschaften vorhandener Dachziegelmodelle in einer Art evolutionärem Vorgang gezielt auf neue Modelle zu übertragen und weiter zu verfeinern.“
Ab wann welche Zusatzmaßnahme?
Im Zusammenhang mit den herstellereigenen Regeldachneigungen ist die Dachneigung entscheidend, die den Wechsel der Zusatzmaßnahmen von der Unterspannbahn zum regensicheren Unterdach erzwingt. Sie werden in ihrer Abstufung nicht immer konform zur Fachregel gehandhabt.
Hier nochmal genauer: Die Regeldachneigung, so heißt es in der Fachregel, ist die unterste Dachneigungsgrenze, bei der sich in der Praxis eine Dachdeckung als regensicher erwiesen hat. Für den Flachdachziegel sind es zum Beispiel 22° Neigung. Diese gelten für Dächer ohne erhöhte Anforderung. Das betrifft also nicht bewohnte, bewirtschaftete oder stark gegliederte Dächer, Dächer in ungünstigen klimatischen Verhältnissen oder exponierten Lagen und auch nicht Dächer mit Sparrenlängen über ca. 10 Meter. Diese Dächer müssen trotz 22° Dachneigung zusätzlich immer mit mindestens einer Unterspannbahn ausgeführt werden. Die Fachregel differenziert ferner eine Unterschreitung der Regeldachneigung um bis zu 6°, um bis zu 10° und um mehr als 10°.
Die Fachregel erlaubt im Prinzip nur eine Interpretation. Im heutigen Bauwesen muss bei Gebäuden immer eine Zusatzmaßnahme mindestens in Form einer Unterspannbahn verbaut werden.
Als entscheidend erweist sich in der Praxis die Dachneigung, die einen Wechsel von der relativ preiswerten Unterspannbahn zur qualitativ nächsthöheren Zusatzmaßnahme, dem regensicheren Unterdach, erforderlich macht. Hier gelten bei den herstellereigenen Mindestdachneigungen nicht immer die aus der Fachregel bekannten Abstufungen von -6° und -10°. Es kann durchaus sein, dass bereits bei geringen Unterschreitungen der herstellereigenen Regeldachneigung der Übergang zum regensicheren Unterdach gefordert wird. Bei flachen Dachneigungen ist es daher ratsam, besonders genau zu lesen, welche Zusatzmaßnahme bei welcher Dachneigung gefordert wird.
Das schwächste Glied in der Kette?
Wie regensicher ein Dach ist, hängt nicht nur von der Regeldachneigung der Dachziegel ab, sondern auch von den technischen Möglichkeiten, der Haltbarkeit der Details und des Zubehörs. Das Handwerk muss sich bewusst sein, dass bei Dachneigungen unterhalb der klassischen ZVDH-Regeldachneigungen auch die Anschlüsse und Dachdetails einem sehr hohen Anspruch gerecht werden müssen.
Keramische Dachdeckungen sind sehr haltbar. Das ist bekannt. Aber wie haltbar sind die sogenannten Zusatzmaßnahmen, die laut Fachregel eine Unterschreitung um 6° Dachneigung zulassen? Hier gilt es, kritisch zu überdenken, ob speziell die eingesetzten Spannbahnen den Anforderungen gewachsen sind, die an eine keramische Dachdeckung zurecht gestellt werden. Schließlich bricht zuerst immer das schwächste Glied in der Kette. Und was nützt einem Bauherren die Garantie für die Dachdeckung, wenn nach fünf Jahren die Unterspannbahn darunter ihre Funktion einstellt? Das Handwerk ist gut beraten, bei flach geneigten Dächern solide vorzusorgen und auf keinen Fall die Grenzen eines Produktes komplett auszureizen. Stets sollte das Handwerk auch die Gesamtfunktion der Konstruktion im Auge behalten.
… und die Details?
Eine Schwächung der Deckung unter dem Aspekt der Regensicherheit können zum Beispiel Sturmklammern sein, die an den Falzen halten und in extremen Fällen den Regeneintrieb erleichtern. Deshalb arbeitet unter anderem auch Koramic daran, die Klammertechnik weiter zu optimieren.
Und welche Auswirkungen auf die Regensicherheit haben Dachkehlen, Mauerwerks-, Schornstein- und Gaubenanschlüsse? Bei flachen, mediterran anmutenden Dächern kommen solche Details kaum vor. Der Schornstein steht in der Mitte des Firstes und Gauben sind in flachen Dächern wenig sinnvoll. Im Fokus stehen hier vor allem etwaige Hauptkehlen oder Wandanschlüsse. Bei flachen Hauptkehlen muss der Dachziegel das Kehlblech um etwas 12 cm in der Horizontalen überdecken. Das Kehlblech muss laut Fachregel in der Gesamtabwicklung mindestens 40 cm breit sein. Der freie Wasserlauf der Kehle ergibt sich daraus zu etwa 8 cm links und rechts vom Kehlknick. Dabei empfiehlt sich zur besseren Wasserführung ein Steg in der Mitte der Kehle oder bei größeren Dächern sogar eine Kastenrinne in der Mitte der Kehle.
Fazit:
Mit der Weiterentwicklung der Dachziegel gehen auch niedrigere Regeldachneigungen einher. Sie sind das Ergebnis besserer Testmethoden und umfangreicher konzentrierter Erfahrungen rund um Dachziegel. Zu einem flacher geneigten Dach gehören auch Anschlussdetails und Zusatzmaßnahmen, die diesem Anspruch gerecht werden müssen.
FOTOS:
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Foto 1 + 2 + 3 + 4 + 5 + 6:
Entspannte Atmosphäre bedeutet für das Dach oft das Gegenteil: Höchstleistung
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Foto 7:
Durchbruch im flach geneigten Dach: Entspricht die Breite der Bleischürzen den hohen Vorgaben eines sehr flach geneigten Daches?
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Foto 8: Spätestens bei Sonderanfertigungen (Dachkeile) am flach geneigten runden Dach muss über Zusatzmaßnahmen nachgedacht werden.
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Foto 9: Die Anschlagklötzchen beim Alegra 10 von Koramic sorgen dafür, dass sich die Falze nicht berühren.
Alle Fotos: Koramic
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Koramic im Internet: www.koramic.de
