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Fachbericht:
Entwicklung eines neuen keramischen Schiebe-Firstlüftungssystems
Mittwoch, 13 September, 2006
Lüften ohne Grenzen
Ein neuartiges Firstlüftungssystem verändert das Bild vom keramischen First. Seine Kennwerte setzen BestÂmarken. Das Ziel: Kostengünstiger Einsatz ohne Grenzen.
Vor rund 150 Jahren wurden Tondachziegel erstÂmals industriell hergestellt. Seit etwa 1950 spricht die FachÂregel des DachÂdeckerhandwerks vom Bedarf, die keramische Dachdeckung über bewohnten Dachgeschossen zu hinterÂlüften. In diesen Zeitraum sind auch die ersten keramischen Dachbelüftungs-Systeme zu datieren. Keramische FirstlüftunÂgen sind somit ein recht junges Thema.
Ob spezielle Lüfterziegel, Lüfterfirste oder Firstanschlusslüfter, es handelt sich hier nicht nur um eine bauphysikalische NotÂwendigkeit über bewohnten und gedämmten Dachgeschossen, sondern auch um eine wichtige und zwingende Maßnahme im Rahmen der Produkthaftung. Dabei gerieten bisher viele HerÂsteller in Erklärungsnot, weil die am Markt angebotenen keraÂmischen Lüftungssysteme mit ihren Leistungsmerkmalen dem tatsächlichen Bedarf des Handwerks zuweilen nicht entspraÂchen. Da haperte es an den Neigungsgrenzen, am ausreichenÂden LüfÂtungsÂquerschnitt oder einfach am zu hohen Preis.
Endlich ein Firstsystem zu entwickeln, dass kompromisslos funktioniert, das war das Ziel des Entwicklungs-Teams der KoÂramic Dachprodukte GmbH & Co. KG für den neuen FlachdachÂziegel Alegra aus Eisenberg. Das Pflichtenheft für die EntwickÂlung des neuen Firstlüftungssystems klingt anspruchsvoll:
1. Einsetzbar ohne funktionelle oder ästhetische EinschränÂkungen von 10 bis 65° Dachneigung und bis zu SparrenÂlängen von 25 Metern.
2. Leichte und schnelle Montage durch großen Verschiebebereich und unsichtÂbare Befestigung.
3. Höhere Funktionssicherheit und wettbewerbsfähige Kostenstrukturen im Vergleich zu Firstrollen-Systemen.
Die Entwickler - die Entwicklung
Das neue Firstlüftersystem wurde im Werk Eisenberg entwickÂelt. Nach der Übernahme der von Müller Dachziegelwerke durch die WieÂnerberger AG, Koramic Dachprodukte GmbH & Co. KG, ist dort ein Team von hervorragenden Keramikern aktiv. Auf Basis der umfangÂreichen Erfahrungen aus der Produktlinie Koramic Manufaktur und unter Einsatz neuÂester technischer MöglichÂkeiÂten im Rahmen eines international aktiven UnternehÂmens, konnten interessante Neuerungen vorangetrieben werden.
Zentrale Innovation des Firstanschlusslüfters ist das geneigte und hoch verfalzte Lüftungsplateau. Die gepfeilten LüftungsÂrippen sind bis zu 3 cm hoch und ermöglichen erstmals einen LüftungsÂquerÂschnitt von 250 cm² pro Meter First. Dieser QuerÂschnitt ist unabhängig von der DachÂneigung. Selbst bei 65° bleibt der Querschnitt voll erhalten und ein AufreiÂten des Firstes ist ausgeschlossen. Das sind Bestmarken.
Das um 10° zur Dachziegeloberfläche geneigte Lüftungsplateau funktioniert sogar bei einer Dachneigung von 10°. Das LüftungsÂplateau liegt dann zwar waagerecht, doch sind die EntwässeÂrungsÂkanäle des Plateaus so weit zusätzlich geneigt, dass einÂdringendes Regenwasser sicher abgeleitet wird. Das wurde in Versuchen nachgewiesen.
Zusammen mit den zusätzlich um 10° geneigten Lüftungsrippen erlaubt das geneigte Lüftungsplateau erstÂmals auch eine techÂnisch wie ästhetisch einwandfreie Funktion der FirstÂlüftung bis zu 65° Dachneigung. Wo vergleichbare Systeme oft schon bei 45° versagen, erhöht das geÂneigte Lüftungsplateau den EinsatzÂbereich zu jeder Dachseite um eben diese 10°. Damit ist diese Firstlösung auch für extrem flache sowie extrem steile Dächer mit extrem langen Sparren geeignet. Erstmals also Einsatz ohne Grenzen.
Zum Lüftungsplateau des Firstanschlusslüfters geÂhört ein vorÂgelagerter SpoiÂler, der einerseits den Regeneintrieb reduziert, andererseits die Aerodynamik der gesamten Firstlösung verbesÂsert. Aus verschiedenen Versuchen ist bekannt, dass sich die feuchtwarme Luft aus der Lüftungsebene zuweilen überhaupt nicht an die Ideen der Produktentwickler hält. Statt über den First zu entlüften wird die Luft von Luv nach Lee hinÂübergesaugt und kondensiert im schlimmsten Fall auf der kühÂleren DachÂseite. Der Spoiler verhindert bzw. minimiert diese unerwünschte LuftwandeÂrung.
Luv und Lee sorgen auch dafür, dass sich die großen LüfÂtungsÂquerschnitte nicht mit der Zeit zusetzten. Staub und Schmutz sollen hier keine Chance haben. Die verschiedenen Sogeffekte, so die Erfahrungen der Entwickler, werden die Querschnitte stets offen halten.
Neu: Zylindrischer Schiebefirst Nr. 15
Das Lüftungsplateau ist etwa 5 cm breit. Um bei allen denkÂbaÂren DachÂneigungen eine solide Auflage des Firstes zu gewährÂleisten, ist ein zylindrischer First zwingend erforderlich. Der neue zylindrische Schiebefrist Nr. 15 macht das System komplett. KoniÂsche Firste sind nicht empfehlenswert, weil sie, je nach AuspräÂgung, die NeigungsÂgrenÂzen einschränken und den Eintrieb von FlugÂschnee erleichtern.
Die Wulst am neuen zylindrischen First Nr. 15 gewährleistet eine VerÂschiebÂbarkeit von rund 3 cm. Damit lässt sich bereits ab einer LänÂge von 4,8 Metern ein First vollkeraÂmisch eindecken ohne zu schneiden. Bei ersten ProbeverleÂgungen hat sich auch gezeigt, dass der First mit seiner Wulst bauübliche UngenauigÂkeiten der Unterkonstruktion in der Linienführung des Firstes elegant zu kaschieren vermag.
Der First wird immer so verlegt, dass die Wulst stets hinter den Spoilern auf den gepfeilten Lüftungsrippen zu liegen kommt. Dadurch ist der Lüftungsquerschnitt automatisch gesichert und der First, vom Boden aus betrachtet, harmonisch in die Deckfläche integriert.
Eine weitere Neuigkeit ist das unsichtbare, patentrechtlich geÂschützte Befestigungssystem des Firstes. Dieses wurde bereits vor einigen Jahren bei Koramic im Werk Mühlacker entwickelt und jetzt weiter optimiert auf den neuen First Nr. 15 übertragen. Das BefestiÂgungsÂsystem besteht aus einer EdelÂstahlschraube mit Dichtring im ÜberÂdeckungsbereich des Wulstes und einem Edelstahlstift, der die Firste untereinÂender unsichtbar verbindet. Die ArbeitsÂschritÂte sind denkbar einfach. Schraube, Akkuschrauber und Edelstahlstift, mehr ist nicht erforderlich. Wird der neue zylindrische Schiebefirst als Gratziegel eingesetzt bietet er genügend Platz für den Einsatz von Gratrollen und sichert damit auch ein harmonisches Erscheinungsbild.
FAZIT:
Das neue keramische Firstlüftungssystem aus FirstanschlussÂlüfter und First Nr. 15 ermöglicht von 10 bis 65° Dachneigung einen Lüftungsquerschnitt von 250 cm² pro Meter. Das SysÂtem ist mit diesen Werten für Sparren bis zu einer Länge von 25 Metern geeignet. Das vorgestellte System setzt durchweg neue BestÂmarken - auch hinsichtlich Verlegefreundlichkeit und Wirtschaftlichkeit. Eine kleine Revolution in der Keramik.
KASTEN: Hinterlüftung von Dächern
Bis zum Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts funktionierte der Dachraum als Puffer zwischen Wohnraum und Umgebung. Bei widrigen Witterungsbedingungen eindringende Feuchtigkeit wurÂde beispielsweise von einer mit Lehmestrich versehenden obeÂren Geschossdecke aufgenommen und bei Trockenheit wieder an die Luft abgegeben, ohne dass ein Schaden entÂstand. Stroh oder Heu auf dem Dachboden erfüllten den gleiÂchen Zweck. Lüftungsöffnungen an den Giebeln, die man auch heute noch häufig an historischen Gebäuden findet, gewährÂleisteten die notwendige Luftzirkulation. Dazu kam, dass damals alle Ziegel verkrümmt waren - bedingt durch die aus heutiger Sicht sehr ursprünglichen FertigungsmeÂthoden. So war jeder Ziegel quasi sein eigener Lüfter.
Beginnend in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde die Nutzung von Dachräumen als Wohnraum voranÂgeÂtrieben. Die Schäden, die an nicht durchlüfteten Dächern auftraten, machten auf die bauphysikalische Notwendigkeit der Feuchteabfuhr aufmerksam. Zwei Lüftungsebenen mit den entsprechenden Zu- und Abluftöffnungen an First und Traufe waren die Lösung. Die Hinterlüftung der Deckung sorgt für die Dauerhaftigkeit von Ziegeln und Lattung. Der Luftstrom oberÂhalb der Wärmedämmung hält diese trocken und somit funktionstüchtig und schützt die Dachkonstruktion vor Fäulnis. Bei modernen Konstruktionen übernimmt die Ebene unterhalb der Deckung zusätzlich die Funktion des Abtransports der durch die Dampfsperre zwar reduzierten aber dennoch anfallenden Feuchtigkeit aus der Wärmedämmung.
Das Hinterlüftungssystem sorgt also für Feuchtigkeitsabfuhr und schützt zudem vor zu starker Überhitzung des Dachaufbaus. Das Wärmedämmsystem in Verbindung mit einer raumseitigen Luftdichtung schützt vor Wärmeverlusten bzw. ungewünschten Wärme- und Feuchteeinträgen.
Diese Systeme müssen einzeln funktionieren, auch wenn sie erst im Zusammenwirken den gewünschten Schutzeffekt, die dauerhafte Funktionsfähigkeit gewährleisten. Hierbei kommt es darauf an, dass nicht so geÂnannÂten “einzig richtigen Konstruktionslösungen” gefolgt wird, sondern aus Sicherheitsgründen der störungs- und fehlertoleÂranten Konstruktion der Vorzug gegeben wird.
Störungs- oder Fehlertoleranz eines Dachschichtenaufbaus ist die Fähigkeit des gesamten Dachsystems, bei witterungsbeÂdingter Beeinträchtigung einzelner Schichtenelemente doch noch eine Mindestfunktionsfähigkeit in der Zeitspanne der Beeinträchtigung zu gewährleisten.
Genau das leistet das Firstsystem Nr. 15 mit seinem extrem hohen Lüftungsquerschnitt, der Unterstützung und Verstärkung des Luftstroms durch die Spoiler und der Reduktion von negaÂtiven Überströmungserscheinungen. In diesem Zusammenhang ist es von großer Bedeutung, dass das die Störanfälligkeit des Firstsystems selbst nahezu Null ist. Hinzu kommt, dass das neuartige Befestigungssystem hinsichtlich der WindsogÂsicheÂrung die in den Fachregeln geforderten Werte um ein MehrÂfaches übertrifft.
KASTEN ANFORDERUNGEN
In den Fachregeln des ZVDH werden drei Forderungen bezügÂlich der Lüftungsquerschnitte gestellt.
An der Traufe wird ein Lüftungsquerschnitt von mindestens 200 cm²/m bzw. 2 Promille der zugehörigen Dachfläche gefordert. 200 cm² pro laufend Meter entsprechen einem mindestens 2 cm hohen Lufteintritt. Ist der Lufteintritt mit einem Gitter abgedeckt, muss die Gitterfläche (ca. 40 % der Fläche) vom LüftungsquerÂschnitt abgezogen werden. Die Lüftungsebene muss also Höher als 2 cm sein. Die zweite Regel fordert minÂdestens 2 Promille der dazu gehörigen Dachfläche. Bei einer Sparrenlänge von 10 Metern sind es 200 cm²/m. Ein 15 Meter langer Sparren fordert aber bereits einen LüftungsquerÂschnitt an der Traufe von 300 cm² pro laufend Meter. Bei 20 Meter sind es 400 cm²/m und bei 25 Meter sogar 500 cm²/m. Wer solche Querschnitte an der Traufe sicherstellt, hat mit der zweiten Forderung in der reinen Dachfläche einen LüftungsÂquerschnitt von 200 cm²/m oder mindestens 2 cm freie Höhe einzuhalten, keine Probleme.
An Firsten oder Graten sind 50 cm²/m gefordert oder mindesÂtens 0,5 Promille der zugehörigen DachfläÂche (hier stets beidÂseiÂtig). Daraus folgt, dass bei beidseitig 5 Meter SparrenÂlänge (zusammen 10 Meter) die besagten 50 cm² pro laufend Meter First oder Grat ausreichen. Bei 10 Meter langen Sparren (beidÂseitig 20 Meter) sind bereits 100 cm²/m gefordert, bei 15 Meter (beidseitig 30 Meter) sind es 150 cm²/m. Das neue FirstlüfÂtungsÂsystem mit einer Lüftungsfläche von 250 cm²/m genügt also den Anforderungen für einen 25 Meter langen Sparren (beidseitig 50 Meter).
FOTOS:
Vollkeramische Spitzenleistung für den AleÂgra: Firstlüftungssystem aus First Nr. 15 und Firstanschlusslüfter.
Einsatz ohne Grenzen: Das neue Firstlüftungssystem funktioniert von 10 bis 65° Dachneigung bei Sparrenlängen bis zu 25 Metern.
Das geneigte Lüftungsplateau mit gepfeilten Rippen sichert dauerhaft einen Lüftungsquerschnitt von 250 cm² pro laufend Meter.
Neue, verdeckte Firstmontage mit Edelstahlstift und konischer Führung im First.
Ansicht des Firstes vom Boden aus gesehen. Selbst bei einer Dachneigung von 65° ist ein Aufreiten des Firstes nicht möglich.
Firstmontage: Edelstahlschraube mit DichtÂring einschrauben, Edelstahlstift in den First einsetzen und den nächsten First auf den Stift einfädeln.
Fotos Zum Interview Zimmerei Schultz
Alle Fotos: Koramic
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