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Reportage: Seltene Ziegeldeckung für den Mannheimer Rosengarten
Dienstag, 8 August, 2006
Baukultur im Streifenanzug
Gestreifte Dachtechnik
Ein Ziegel, zwei Farben
Zweifarbige Ziegeldeckungen sind hierzulande selten. Den Mannheimer Rosengarten zierte einst eine solche Deckung. Heute ist die alte Pracht wieder hergestellt. Der hier eingesetzte Klosterziegel E28S sorgte auf diesem Dach mit mehreren Sonderlösungen für einige Superlativen.
Das Kongresszentrum Rosengarten zählt zu Mannheims feinsten Adressen. Die Jugendstilanlage, erbaut 1899-1903 vom Berliner Architekten Bruno Schmitz, war ursprünglich mit zweifarbigen Mönch-Nonnen-Ziegeln der berühmten Dachziegelei Ludowici eingedeckt. Diese Deckung wurde durch Kriegseinwirkung weitgehend zerstört. Nur wenige originale Ziegel blieben bis heute erhalten. Sie galten als Musterziegel bei der Sanierung des großen Daches.
Koramic hat, entsprechend dem Wunsch der Denkmalpflege, die schwierige Geometrie des Ziegels und die Teilglasur erneut realisiert. Dabei dürfte es als eine wahrhaft meisterhafte Leistung gelten, diesen zweifarbigen Dachziegel, der ursprünglich nur mit viel Handarbeit möglich war, heute mit modernen Produktionsanlagen herzustellen.
Die Ziegelidee:
Im Ursprung eine zweifarbige Mönch-Nonnen-Deckung
Der Ursprung dieser zweifarbigen Dachlandschaft ist die klassische vermörtelte Mönch-Nonnen-Deckung. In Italien sind Deckungen bekannt, bei denen der Mönch grün oder auch blau ist und die Nonnen naturrot verbleiben. Ludowici führte diese zweiteilige Deckung als schwere, einteilige und verfalzte Ziegelvariante, heute gerne Klosterziegel genannt, hierzulande ein. Als der Architekt nach dem zweifarbigen Muster der Mönch-Nonnen-Deckung nachfragte, übernahm Ludowici diese Vorgabe auch für seinen einteiligen verfalzten Ziegel. Es ist heute nicht mehr nachvollziehbar, ob die zweifarbigen Ziegel durch teilweises Tauchen oder durch Übergießen des Mönchs-Teiles mit Glasur teilbeschichtet wurden. Auf jeden Fall war es eine aufwändige Prozedur.
Für die Neueindeckung suchten die Denkmalpfleger nun einen vergleichbaren Ziegel. Koramic war im Stande ein solches Modell herzustellen. Basierend auf dem klassischen Klosterziegel E28 entwickelte man für den Rosengarten den Klosterziegel E28S, dessen Mönchs-Teil mit gotisch geformter Krempe, Hinterschnitt und Nase grün glasiert war. Der Nonnen-Teil verblieb naturrot. Für den heutigen Teilauftrag der grünen Glasur mussten die Techniker des Hauses tief in die Trickkiste greifen, um auf den hochmodernen, auf große Stückzahlen ausgelegten Produktionsstraßen maschinell zu realisieren, was früher nur mit Handarbeit gelang. Wie das geht, ist letztendlich ein Geheimnis.
Fledermausgauben zweifarbig mit Dachkeil
Zu den Glanzpunkten des Daches zählen neben den ohnehin schon komplizierten zweifarbigen Klosterziegeln die nochmals komplizierteren Sonder- und Formziegel, die ebenfalls stets zweifarbig produziert wurden.
Zur schnitt- und mörtelfreien Deckung der großen Fledermausgauben des Oberdaches wurden Dachkeile eingesetzt. Basierend auf der Erfahrung mit standardisierten Keilen bei anderen Ziegelmodellen wurden die Formziegel an die Dimensionen und die Zweifarbigkeit des neuen Ziegels angepasst. Die auf den Fledermausgauben eingesetzten, so genannten A-Keile verbreitern die Dachdeckung zur Traufe der Gaube hin um etwa einen Ziegel. Dabei bleibt die Verfalzung der mächtigen Ziegel erhalten.
Der A-Keil ist ein patentierter Serien-Formziegelsatz. Er besteht beim E28S aus jeweils 15 Dachziegeln, die ein Übersetzen von einer auf zwei Ziegelreihen ermöglichen. Bei einer Fledermausgaube werden so viele keramische Dachkeile benötigt, wie die Längendifferenz zwischen First oberhalb der Fledermausgaube und der Traufe dieser Gaube in Dachziegeln ausmacht. Auf dem Dach des Rosengartens gelang diese Übersetzung mit nur einem Dachkeil, der mittig auf der Gaube eingedeckt ist.
Ein Standard-Dachkeil erstreckt sich über zehn Reihen. Von Reihe zu Reihe verjüngt sich die Dachdeckung um ca. 19 mm. Zehn Reihen entsprechen 19 cm. Die Ziegel werden dabei von Reihe eins bis fünf immer schmaler. In der sechsten Reihe folgt die Übersetzung von zwei schmalen Ziegeln auf einen breiten mit einem Mittelwulst. Die siebte bis zehnte Reihe verjüngen sich wieder so weit, dass in der elften Reihe ein ganz normaler Dachziegel anschließen kann.
Auf Anhieb gelungen
Der ausführende Dachdeckerbetrieb setzte zum ersten Mal einen Dachkeil ein. Die Eindeckung der Fledermausgauben gestaltete sich dennoch problemlos. Normalerweise wird eine Fledermausgaube von links und rechts angedeckt und die auf diese Weise entstehende keilförmige Fehlstelle im Scheitelbereich mit einem Dachkeil geschlossen. Die Firma AWO ging noch rationeller vor. Bei der ersten Fledermausgaube wurde die Fehlstelle nach der Verlegung der Traufziegel-Reihe ausgemessen und anschließend bei allen anderen Gauben von vornherein eingeschnürt. Die Dachkeile wurden beim Decken in einem Arbeitsgang mit eingebaut und die Gauben wie eine ebene Fläche ganz normal von rechts durchgedeckt. Die reine Eindeckung der Gauben war dadurch nur geringfügig aufwändiger als die der Flächen. Vorraussetzung war allerdings eine exakte Lattung mit geschmeidigen Übergängen an den Gaubenschwüngen. Hier haben die Dachdecker die Erfahrungen an der ersten Gaube meisterlich umgesetzt.
Die Tonnengauben:
Architektenidee nach 100 Jahren richtig umgesetzt
Die Eindeckung der fünf großen Tonnengauben im Mansarddach des Rosengartens gestaltete sich besonders schwierig. Hier hatte der Architekt des Bauwerkes bereits im Entwurf vor 100 Jahren einen „Planungsfehler“ eingebaut. Die von Architekten Bruno Schmitz entworfenen Tonnengauben, ließen sich mit der damaligen Dachziegel-Technik nicht dauerhaft eindecken. Die Deckung dieser Tonnengauben verläuft nicht von der Traufe zum Scheitel, sondern parallel zum Gaubenscheitel mit etwa 45° Dachneigung aus der Mansarde zum Spiegel der Gaube.
Die Dachziegelei Ludowici lieferte für diese Gauben einst linksdeckende Ziegel. Auf der rechten Seite der Tonnengaube lief das Wasser noch planmäßig ab. Hier wurde im unteren Bereich die Seitenüberdeckung zur Höhenüberdeckung. Auf der linken Seite lief das Wasser aber gegen die Falze und verursachte Schäden. Auch ein umfangreicher Mörteleinsatz brachte nur vorübergehende Abhilfe. Letztendlich wurden diese Gaubenflächen komplett abgerissen, begradigt und mit Kupfer eingedeckt. Das Bild der ursprünglich geplanten Dachfläche war dadurch zerstört.
Als nun die Neueindeckung des großen Daches unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten anstand, wollten die Planer natürlich den ursprünglichen Entwurf umgesetzt sehen. Das Dachdeckerunternehmen AWO machte auf die technischen Probleme einer solchen Gaubengeometrie aufmerksam. Der Geschäftsführer der AWO, Ralf Träger, wollte nur die Verantwortung für eine dauerhafte Lösung übernehmen und schlug eine Sonderlösung mit links- und rechtsdeckenden Dachziegeln vor. Aber auch diese Herausforderung nahm Koramic an. Es wurde eine Mustergaube erstellt, die mit links- und rechtsdeckenden – also spiegelbildlichen – Ziegeln gedeckt war. Mittig im Gaubenscheitel war die Deckung mit einem Doppelwulstziegel geschlossen. Die technisch gelungene Lösung überzeugte und wurde in Folge an dem Dach auch komplett realisiert.
Im Detail perfekt: First- und Mansardziegel
Zur Perfektion im Detail gehörten auch spezielle First- und Mansardziegel. Bei einem geometrisch so hohen Dachziegel wie dem E28S fällt es schwer, First-, Gauben- und Mansardanschlüsse mit Blei oder Kupfer zu lösen. Die zu überwindenden Höhenunterschiede zwischen Ober- und Unterziegel sind beachtlich. So entschied man sich hier, spezielle Anschlussziegel herzustellen. Mit den Firstanschlussziegeln wurden glatte, technisch exakte und dazu elegante Anschlüsse realisiert. Je nach Neigung der Dachfläche gab es an diesem Dach zwei Arten von Anschlussziegeln mit unterschiedlich geneigten Firstauflagen.
Das Dach des Rosengartens entspricht heute wieder dem Entwurf des Berliner Architekten Bruno Schmitz. Das Dach überzeugt nicht nur durch seine herausragende Ästhetik. Mit den neuen Möglichkeiten der Keramik fand Koramic für dieses Dach jetzt erstmals auch dauerhafte technische Lösungen.
Fazit:
Das Kongresszentrum Rosengarten in Mannheim wurde grundlegend saniert und erhielt auch eine neue Dachdeckung. Die hier eingesetzten Klosterziegel E28S wurden im Mönchs-Teil des Ziegels grün glasiert. Der Nonnen-Teil verblieb naturrot. Im gleichen Farbenspiel wurden auf den Fledermausgauben Dachkeile eingesetzt. Für die fünf großen Tonnengauben wurden links- und rechtsdeckende Ziegel und Doppelwulstziegel hergestellt. Zwei Sorten von Firstanschlussziegeln sichern saubere Anschlüsse an First, Gauben und Mansarden.
Gerard Halama
BAUTAFEL:
Bauherr: Mannheimer Kongress und Touristik GmbH, Am Rosengartenplatz 4, 68161 Mannheim
Architekt: Karl Schmucker + Partner, Postfach 121754, 68068 Mannheim
Dachdecker: AWO Dachbau GmbH, Daimlerstraße 4, 68526 Ladenburg, Tel: 06203-3316
Dachziegel: Koramic Dachprodukte, Hannover
ABBILDUNGEN / BILDTEXTE:
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Bild 1 + 2 + 3:
Das Kongresszentrum Rosengarten in Mannheim erhielt 2002 eine neue Dacheindeckung. Der Klosterziegel ist zweifarbig.
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Bild 4:
Das Kongresszentrum Rosengarten in Mannheim wurde 1903 vom Berliner Architekten Bruno Schmitz erbaut. Nach 100 Jahren wurde die Dachdeckung jetzt wieder in den Originalzustand versetzt.
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Bild 5 + 6:
Speziell für den Mannheimer Rosengarten entwickelte Koramic den Klosterziegel E28S. Der Mönchs-Teil im gotischen Schnitt mit Hinterschnitt und Nase ist grün glasiert. Der Nonnen-Teil verblieb naturrot.
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Bild 7 + 8:
Ansichten einer Dachfläche: Je nach Blickwinkel verändert sich das Bild des Daches.
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Bild 9:
Technisch elegante Detaillösung mit Firstanschlussziegel.
EINDECKUNG
DER FLEDERMAUSGAUBE MIT DACHKEIL:
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Der Dachkeil wird eingeschnürt…
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… und die Deckung von rechts nach links durchgedeckt.
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Genau in der Mitte liegt der Keil.
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Die Deckung der Fladermausgaube geht ohne Sperrungen in die Dachfläche über.
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Die Ästhetik einer perfekten Lösung.
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Die Ästhetik einer perfekten Lösung.
VM Bertram DDH
Nur als Einzelziegel sieht man den Unterschied zwischen links- und rechtsdeckendem Ziegel.
TONNENGAUBEN:
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Bild 10 + 11:
Blick in die Details der Tonnengaube. Die rechte Seite der Gaube ist gedeckt mit linksdeckenden Ziegeln, die linke Seite der Gaube mit rechtsdeckenden Ziegeln. Im Scheitel liegt ein Doppelwulstziegel.
Foto: AWO
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Koramic im Internet: www.koramic.de
