Archiv
Fachbericht: Neuartige Dachgestaltung
mit ArGeTon®-Ziegelfassade
Montag, 8 August, 2005
Stufendach in Dresden
Stufen statt Schräge
Ein ungewöhnliches Stufendach krönt am Altmarkt in Dresden einen Wohn- und Verwaltungsbau. Das Dach, das aus einer ArGeTon®-Fassade besteht, interpretiert das Thema auf eine neue, ungewöhnliche Art.
Die Krönung eines Hauses ist das Dach. Man stellt es sich als eine schräge Fläche vor, die das anfallende Regenwasser zur Rinne führt. So malen Kinder ihre Umwelt. Erwachsene dagegen – besonders die Profis ihres Fachs - sehen es zuweilen anders. Die Architekten von Gerkan, Marg und Partner, Hamburg, haben bei einem Wohn- und Verwaltungsbau am Altmarkt in Dresden rund um das Dach einen völlig neuen Ton angeschlagen. Dazu von Gerkan: „Da wir beim Architektenwettbewerb gezwungen waren, ein geneigtes Dach im historischen Sinne zu planen – dies jedoch mit meiner architektonischen Auffassung schwer zu vereinbaren ist, habe ich mich zur „Ironisierung“ des Themas entschieden. Daraus ist etwas unverwechselbar Neues entstanden.“
Das Dach besteht hier zwar immer noch aus Ton, doch ersetzt die Ziegelfassade den traditionellen Dachziegel. Das mächtige, über zwei Geschosse ragende Bauteil fügt sich einerseits in das Ensemble der Altmarktbebauung mit ihren mächtigen Dächern ein, andererseits interpretiert es die Aufgabe mit neuen Mitteln. So wurde hier in Sichtweite großer Baukultur etwas Neues, Eigenständiges geschaffen, das sich neben den historischen Bauten selbstbewusst behauptet.
Fassade am Steildach
Das Tragwerk des zweistöckigen Dachgeschosses mit Flachdachbereich besteht im ersten Dachgeschoss aus Stahlbeton, im zweiten Geschoss aus Stahl. Gedämmt sind die Dachräume mit Schaumglas. Der Flachdachbereich weist in der Abdichtungsebene 1,1 % Gefälle auf.
Die Ziegelfassade sichert auch bei diesem Dach weiterhin eine wahrhaft dauerhafte, sympathisch alternde Optik. Die eigentliche wasserführende Funktion wird von der Abdichtung unterhalb der Ziegelplatten erfüllt. Regenwasser fließt durch die Fugen zwischen den Ziegelplatten auf das darunter liegende wasserdichte Dach. Es besteht aus zwei Lagen Polymeerbitumen-Schweißbahnen.
Die ArGeTon®-Fassade wurde auf einer treppenförmigen Alu-Tragkonstruktion montiert. Eine Stufe setzt sich zusammen aus drei senkrechten und zwei waagerechten Platten. Entsprechend ist eine Stufe etwa 60 cm hoch und 40 cm breit. Diese Alukonstruktion ist auf parallel zu Dachfläche verlaufende, 55° geneigte, 80 x 40 mm große Alu-Quadratrohre montiert und von großen Flanschankern getragen (siehe Zeichnung).
Für das Stufendach wurden naturrote Fassadenplatten aus dem neuen Hochtemperatur-Rollenbrand von ArGeTon verwandt. Um eine weitgehend schnittfreie Gestaltung des Stufendaches zu erzielen, wurden für dieses Bauvorhaben Platten in Sondermaßen gefertigt. So sind die obersten Platten der „Setzstufe“ um ihre oberen Falze und einige weitere Millimeter kürzer (siehe Detailzeichnung).
Durch die Plattenbekleidung ist auch die Ansicht der Flachdachfläche von der daneben stehenden, viel besuchten Aussichtsplattform der Kreuzkirche durchweg harmonisch. So präsentiert sich dieses Gebäude auch aus der Höhe mit einem mächtigen Ziegeldach.
Fassade am Flachdach
Der Einsatz der ArGeTon®-Fassade im Flachdach erforderte von den Fassadenbauern Bihler und Oberneder aus Chemnitz konstruktive Grundlagenarbeiten. Schließlich ist die Ziegelfassade für einen senkrechten Einbau konzipiert. Wasserführung und Tragverhalten sind darauf abgestimmt.
Die ArGeTon®-Ziegelplatten hängen im Normalfall mehrere Millimeter vor der Traglattung in Plattenhaltern. Damit die Platten nicht klappern und innerhalb der Konstruktion durch Temperaturausdehnungen nicht wandern, befindet sich auf der Traglattung in der Senkrechten ein formschlüssig mit einer Nase zwischen die Platten eingreifendes Fugenprofil. Dieses Alu-Profil setzt gleichzeitig mit seinen federnden Schenkeln die Platte von hinten unter federnden Druck. So hängt die Platte in vier Halten und gleichzeitig im Bereich der senkrechten Fugen unter federnder Spannung, unverschiebbar in der Konstruktion (siehe Detail, Schnitt B-B).
Wird nun diese Konstruktion in die Waagerechte gekippt, erfährt sie Belastungen für die sie nicht konzipiert wurde. Neben Schneelast und Eistreiben ist es vor allem die Begehung der Fassade zu Wartungszwecken.
Um ein Verbiegen der Halter bei Begehungen zu vermeiden, wurde ein spezielles Aluprofil entwickelt, bei dem der original Argeton-Plattenhalter um einige Millimeter nach unten bzw. hinten versetzt ist, so dass die Ziegelplatte fast auf der Tragkonstruktion aufliegt. Zwischen Platte und Tragkonstruktion ist lediglich noch Platz für zwei Moosgummistreifen auf jeder Seite (2 mm hoch). Sie sorgen für eine elastische Lagerung der Platte.
Auch das federnde Alu-Fugenprofil wurde für die Waagerechte neu konzipiert. Damit das Regenwasser einwandfrei abfließen kann, sind die im Standard S-förmigen, federnden Schenkel dieses Profils begradigt.
Temperaturausdehnung und Eistreiben
Temperaturen und die daraus resultierenden Längenänderungen sind ein komplexes Thema an dieser Konstruktion. Architekten und Fassadenbauer haben daher die Wirkung von Sonne und Eis besonders sorgfältig berücksichtigt.
Bei flach stehender Sonne im Winter werden vor allem die senkrechten Flächen des Daches erwärmt. Die darunter liegende Alu-UK dehnt sich aus und würde das Flachdach am Rande anheben. Deshalb ist der senkrechte Bereich der Fassade vom Flachdach konstruktiv getrennt. Diese Trennung befindet sich etwa 40 cm vom Rand des Flachdaches entfernt in einer Fuge zwischen zwei nebeneinander liegenden Ziegelplatten (siehe Detailzeichnung). Umgekehrt wird die Sonne im Hochsommer vor allem auf das Flachdach scheinen und diesen Bereich erwärmen. Die Temperaturausdehnung der UK wird die Flachdachscheibe gegen die Steildachbereiche schieben. Die Dehnungsfuge macht also auch in dieser Situation Sinn.
Im Winter muss mit Eistreiben auf allen waagerechten Flächen des Daches gerechnet werden. Diesen sprengenden und schiebenden Kräften begegnen die Fassadenbauer mit einer exklusiv für dieses Dach entworfenen Unterkonstruktion. Sie ist solide geplant, stabil und zugleich elastisch. Die Aluminiumkonstruktion besteht aus drei exklusiven Alu-Profilen, speziell für dieses Dach gefertigten 55° Winkelhaltern, 90° Verbindungsstücken und Fugenprofilen.
Die Ziegelplatten sind mit Fugenprofilen und Haltern so fixiert, dass sie nicht wandern können. Die Halter selbst sind mit der Alutragkonstruktion nicht nur vernietet, sondern zusätzlich schienenförmig und damit formschlüssig geführt.
Es gibt bis heute keinerlei Erfahrungen mit solchen Dachkonstruktionen. Die Fassadenbauer Bihler und Oberneder haben hier Pionierarbeit geleistet.
Fazit:
Das Dach eines Wohn – und Geschäftshauses in Dresden ist mit der ArGeTon®-Ziegelvorhangfassade bekleidet. Die eigentliche wasserdichte Abdichtung des Daches übernehmen zwei Lagen Polymerbitumen-Dachbahnen. Erstmals wurde hier die Ziegelvorhangfassade im erweiterten Sinne als Gestaltungselement für ein Dach eingesetzt.
BAUTAFEL
Bauherr:
EP-EURO Projektentwicklungs GmbH & Co, Frankfurt / Main
Investor: Allianz Grundstücksgesellschaft mbH, Stuttgart
Architekten: von Gerkan, Marg und Partner, Hamburg
Ausführendes Unternehmen:
Bihler + Oberneder GmbH, Chemnitz
Fassade: ArGeTon®-Ziegelvorhangfassade von ArGeTon
FOTOS:
![]()
Blick von der Aussichtsplattform der Kreuzkirche in Dresden auf das Wohn – und Geschäftshaus am Altmarkt: Das Bauwerk fügt sich harmonisch in die mächtigen Dachlandschaften ein.
![]()
Bei näherer Betrachtung erkennt man, dass hier am Dach die Schräge in Stufen aufgelöst ist.
![]()
Der Altmarkt in Dresden ist von imposanter Architektur geprägt. Das neuartige Stufendach muss sich gegen diese starke Konkurrenz behaupten.
![]()
Blick über das Flachdach Richtung Elbe auf die Altstadt von Dresden. Das Flachdach des Gebäudes präsentiert sich als eine begehbare Fassade. Die hart gebrannten, vandalismusfesten und hier sogar „trittfesten“ Fassadenplatten machen es möglich.
Detail des Stufendaches: 1. ArGeTon®-Fassadenplatten (oberste Platte der „Setzstufe“ im Werk gekürzt) / 2. Alu-UK in Form der Stufen (siehe Schnitt A-A) / 3. UK aus 80 x 40 Alurechteckrohr mit Schenkel / 4. Quer verlaufende UK aus Alu-Quadratrohr 60 x 40 mm / 5. Flanschanker (Festpunkt, verschraubt mit Stahl bzw. Beton) / 6. bituminöse Dachabdichtung, zweilagig / 7. Schaumglas / 8. Alu-UK des Flachdachbereiches.
Das Stufendach ragt über zwei Geschosse. Das untere Dachgeschoss besteht aus Stahlbeton, das obere Geschoss aus Stahl. Unter der „Flachdachfassade“ verbirgt sich ein Flachdach mit 1,1 % Gefälle.
Fotos: ArGeTon
Zeichnungen: GMP / ArGeTon
Fachberichte und Reportagen sind urheberrechtlich geschützt. Bei Interesse rufen Sie uns bitte unter 0421-414080 an.
ArGeTon im Internet: www.argeton.de
