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Fachbericht: ArGeTon®-Ziegelfassade im Kontrast zum Verblendziegel
Montag, 8 August, 2005
Keimzelle des neuen Forst
Lausitzer Frühling / Kontrastprogramm
Beim Neubau des Kreishauses Spree-Neiße in Forst stehen denkmalgeschützte Industriebauten im direkten Kontrast zu Neubeuten. Ihre Verwandtschaft über das Fassadenmaterial Ziegel fügt sie dennoch zu einem imposanten Ensemble.
Großprojekte vom Rang des Kreishauses Spree-Neiße in Forst sind als Keimzelle neuer städtebaulicher Grundgedanken von großer Bedeutung. Die Ideen, die hier zum Zuge kamen, sollen in Zukunft das Bild der einstigen Industriestadt Forst an der deutsch-polnischen Grenze grundlegend prägen.
Mit der Kreisreform von 1993 wurde Forst zur Kreisstadt des neu gebildeten Kreises Spree-Neiße. Die verschiedenen Verwaltungen des Kreises waren anfangs auf vier Städte und 22 Standorte verteilt. Als Folge der neuen Strukturen waren hohe Betriebs-, Kommunikations-, Transport- und Reisekosten zu beklagen. Ein zentrales Kreishaus sollte daher möglichst schnell Gefüge und Effizienz der neuen Kreisverwaltung verbessern.
Als Ergebnis des 2. Weltkrieges und durch den Zusammenbruch der Textilindustrie nach der Wende 1989 entstanden in Forst viele innerstädtische Industriebrachen. Auf der Suche nach dem besten Standort für das neue Kreishaus wurden mehrere dieser Industriegrundstücke näher diskutiert. Die Entscheidung fiel zugunsten eines 2,5 ha großen Geländes einer ehemaligen Tuchfabrik direkt am Stadtpark. Die zum Teil unter Denkmalschutz stehenden Gebäude dieser Fabrik sollten in einen neuen Verwaltungsbau mit einbezogen werden.
1995 wurde ein städtebaulich architektonischer Wettbewerb ausgelobt. 24 Planungsbüros beteiligten sich am Wettbewerb. Den ersten Preis erhielt einstimmig das Architekturbüro KSP Engel + Zimmermann aus Berlin. Das Bauvorhaben wurde mit einer Bausumme von 22,3 Mio. Euro von 1997 bis 2000 mit nur wenigen Veränderungen der ursprünglichen Wettbewerbs-Planungen realisiert.
Industriearchitektur als Keimzelle des neuen Forst
Das zur Verfügung stehende Grundstück zwischen dem Grenzfluss Neiße und einem alten Nebenarm der Neiße, dem heutigen Mühlgraben, präsentierte sich mit allen typischen Merkmalen einer Industriebrache. Auf der Negativliste findet sich der instrumentalisierte Fluss, das unkoordinierte Nebeneinander verschiedenster Baumassen, die Vermischung von Wohnen und Arbeiten und die fehlende Vernetzung des Bezirks. Auf der Positivliste ist es die qualitativ herausragende Bausubstanz als Beispiel richtungsweisender Industriearchitektur des 19. Jahrhunderts. Diese Stärke des Grundstücks und der erhaltenswürdigen Bausubstanz galt es mit den Wünschen der Stadt, nach einer Keimzelle für das zukünftige Forst, zu vernetzen.
Das heute im ersten Bauabschnitt abgeschlossene Vorhaben zeigt, dass hier tatsächlich etwas Besonderes entstanden ist. Geschichte und Gegenwart wuchsen harmonisch zusammen.
Hier einige Planungsziele der Architekten:
- Erhaltung und Ergänzung der dominierenden Fabrikkomplexe als Zeugen der industriellen Geschichte von Forst,
- Schaffung von zusammenhängenden Freiräumen,
- Verzicht auf Harmonisierung, d.h. Fabrikkomplexe bleiben ablesbar und werden ergänzt,
- Ausweitung des Stadtparks auf das Wettbewerbsgrundstück
- Räumliche Anbindung des Mühlgrabens zum Landschaftsraum der Neiße.
Analyse, Abbruch, Neugestaltung
Das Bauvorhaben des Kreishauses verdeutlicht exemplarisch den Umgang mit historischer Bausubstand. Die Neben- und Anbauten der unter Denkmalschutz stehenden Fabrik wurden abgebrochen. Das Hauptgebäude und die Remise blieben als dominante und stadtbildprägende Bauten übrig. Dieses, auf das Wesentliche reduzierte Ganze der Tuchfabrik, galt es im zweiten Arbeitsgang neu zu einem prägenden innerstädtischen Ensemble zu fügen. In einem weiteren Schritt soll der Komplex in eine innerstädtische Grünanlage entlang des Mühlgrabens einbezogen werden. Fuß- und Radwege werden das Ufer und damit auch das am Mühlgraben liegende Kreishaus erschließen.
Von den vielen Bauwerken der Tuchfabrik zeugen heute das denkmalgeschützte Hautgebäude und eine kleinere Remise. Ein sachlicher, moderner U-förmiger Neubau öffnet das Ensemble zum Mühlgraben im Süden. Im Innenhof der Kreisverwaltung bildet ein solitärer runder Baukörper das „Herz“ der Anlage. Hier befinden sich die Sitzungssäle der Kreistages. Der weiß geputzte Rundbau ist zum Süden hin großzügig verglast. Über zwei Geschosse reichen die Fensterfronten, in denen sich das Gegenüber wie in einem geschliffenen Kristall spiegelt. Die Architektur unterstreicht den Anspruch: Hier befindet sich der repräsentative Mittelpunkt der Kreisverwaltung.
Alt und Neu in naher Verwandtschaft
Die Fassade des alles beherrschenden historischen Hauptgebäudes aus dem 19. Jahrhundert wurde gereinigt, einzelne Ziegel ausgebessert das Dach und die Fenster erneuert. Eine ergänzende Wärmedämmung ist innen montiert. Die zum Teil vom Öl der Webstühle getränkten Industriedecken wurden nach Bedarf ausgetauscht. Der Brandschutz der neuen Büroräume ist mit bekleideten Deckenkonstruktionen und speziellen Anstrichen gesichert. Die so erhaltenen alten Stahlstützen zeugen heute in den neuen Büros von der Historie des Bauwerkes.
Der Altbau präsentiert sich im reichen Ziegeldekor mit Profilierungen und Schmuckformen in einer vertikalern Betonung der Fensterachsen. Dagegen betont der Neubau die horizontalen Elemente und belässt in gut detaillierter Einfachheit der Formen dem Altbau die Dominanz.
Wenn zwischen den Bauten dennoch eine sympathische Partnerschaft erwächst, so liegt dies u.a. am Fassadenmaterial. Besteht der Altbau traditionell aus Verblendziegeln, so präsentiert sich der Neubau mit Ziegelvorhangfassade ebenfalls im gleichen Material. Die hier eingesetzte ArGeTon®-Fassade wird nur 80 km von Forst entfernt gebrannt. Die Tonvorkommen für den Altbau wie für den Neubau dürften damit sogar miteinander verwandt sein. Welch sympathische und doch spannungsvolle Beziehung. Hier ein traditioneller Verblendziegel, dort eine millimetergenaue Ziegelplatte aus einem hochmodernen Rollenbrand in Görlitz.
Ein wichtiges Anliegen der Architekten war die klare Trennung von Neu und Alt. Sie sollte unmissverständlich ablesbar sein. Die Nahtstellen wurden daher besonders betont. Es sind gläserne Übergänge, die wie „Dehnungsfugen“ zwischen den Bauten liegen. Freilich haben die Übergänge noch eine andere wichtige Funktion. Sie gleichen die Differenzen der verschiedenen Geschosshöhen aus.
Fazit:
Das neue Kreishaus Spree-Neiße in Forst besteht aus einem Ensemble neuer und alter Bauten. Der aus einem Wettbewerb hervorgegangene, preisgekrönte Entwurf vermag Vergangenheit und Gegenwart spannungsvoll und rücksichtsvoll miteinander zu vereinen. Der Verwaltungsbau ist mit seinem städtebaulichen Anspruch eine Keimzelle für ein neues Forst an der deutsch-polnischen Grenze.
BAUTAFEL
Bauherr: Kreisverwaltung Spree-Neiße, Heinrich-Heine-Str. 1,
03149 Forst (Lausitz)
Architekten: KSP Engel und Zimmermann, Mandelnstr. 6, 38100 Braunschweig
Ausführendes Unternehmen, Fassade: K+P Bauelemente GmbH, Kirchgasse 5, 39240 Calbe an der Saale
Fassade: ArGeTon®-Ziegelvorhangfassade von ArGeTon, Eisenberg / Pfalz und Görlitz / Sachsen
BILDTEXTE:
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Bild 1 + 2:
Der gläserne Übergang ist nicht nur „Dehnungsfuge“ und Trennung zwischen Alt und Neu. Hier werden vor allem verschiedene Geschosshöhen ausgeglichen.
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Bild 3:
So unterschiedlich und doch verwandt: Die vertikal ausgerichtete, geschmückte Altfassade im Kontrast zur horizontalen, modernen und schnörkellosen ArGeTon-Fassade.
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Bild 4:
Das Kreishaus Spree-Neiße in Forst ist ein Beispiel für die Erhaltung und Ergänzung dominanter Fabrikkomplexe als Zeugen industrieller Geschichte. Hier die Ostansicht des Kreishauses mit über 200 Parkplätzen davor.
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Bild 5:
Innenhof ist nicht Hinterhof: Das Gebäudeensemble des Kreishauses öffnet sich nach Süden zum Mühlgraben hin. Hier am kühlen Nass ist Platz auch für kleine Festlichkeiten.
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Bild 6:
Die unter Denkmalschutz stehende Remise hat eine moderne Ergänzung in ähnlicher Größenordnung erhalten. Über ein gläsernes Treppenhaus sind die zusammengehörenden Gebäudeteile verbunden. Der gläserne Übergang vermittelt zwischen dem zweigeschossigen Altbau und dem dreigeschossigen Neubau.
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Bild 7 + 8:
Der Innenhof des Kreishauses ist geprägt vom solitären Kreissaal. Die Putzfassade bildet hier einen deutlichen Kontrast zu den Ziegelfassaden.
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Bild 9:
Im Inneren des Altbaues konnten die alten Stahlstützen erhalten werden. Das Lichtband unter der Decke verdeutlicht die ursprüngliche Großzügigkeit dieser Industriearchitektur.
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Bild 10 + 11:
Kontrastprogramm innerhalb eines Ensembles mit historischer Bausubstanz. Die millimetergenaue ArGeTon-Ziegelvorhangfassade im Zusammenspiel mit einem solitärem Putzbau und der traditionellen Ziegelfassade der denkmalgeschützten Tuchfabrik.
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Bild 12:
Neu und Alt im Gebäudeensemble am Fluss vereint: Der Mühlgraben ist heute nur noch ein idyllischer Fluss ohne industrielle Nutzung.
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Bild 13:
Detail einer durch die Glasfassade „hindurchragenden“ ArGeTon-Ziegelvorhangfassade.
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Lageplan
Lageplan des Kreishauses Spree-Neiße
Fotos: ArGeTon
Zeichnungen:
KSP Engel + Zimmermann, Architekten, Braunschweig
/ ArGeTon
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