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Reportage:
Neuartige Schieferfassade am Schauspielhaus Basel
Donnerstag, 24 Juni, 2004
Fassade des Schauspielhauses in Basel
Der Neubau des Baseler Schauspielhauses wurde im Januar 2002 eröffnet. Die Architekten Schwarz-Gutmann-Pfister, Basel, fügten zwischen traditionelle AltstadtbauÂten ein geradliniges Bauwerk in Beton, Glas und Schiefer. Die Schieferfassade ist in dieser AuspräÂgung eine InnoÂvaÂtion und wurde von den Architekten entworfen.
Die ersten Entwürfe für dieses Theater gehen auf das Jahr 1990 zurück. Das Bauwerk liegt zwischen zwei V-förmig verlaufenden Straßen. Der BühÂneneingang im Südosten am Klosterberg präsentiert sich als eine weitÂgehend geÂradÂlinige und geÂschlossene Fassade aus Schiefer, Glas und SichtÂbeton. Im Südwesten an der Steinentorstraße befindet sich der Hauteingang. Hier dominiert Glas mit einer SchieferfasÂsade im DachbeÂreich.
Das kompakte Bauwerk erstreckt sich über sechs Ober- und drei UnterÂgeschosse. Das unterste Geschoss liegt mit einer Tiefe von neun MeÂtern einen Meter unterhalb des GrundÂwasÂserspiegels. Ein unterirdischer Fußgängertunnel verbindet das Schauspielhaus mit einem LagergebäuÂde auf der gegenüberÂliegenden Straßenseite.
Komplexe Anforderungen rund um die Statik und den SchallÂschutz präÂgen die Entwicklung des Bauwerkes. Zum einen galt es bei der tiefen Baugrube die NachbarÂgebäude maximal zu schütÂzen, zum anderen den neuen, „lauten” BauÂkörper von seinen Nachbarn und der daran vorbeiÂfahrenden StraßenÂbahn akustisch zu entkoppeln. Diese schwierigen RandbedingunÂgen forderten ein staÂtisches Konzept das auch AuswirÂkungen auf die GeÂstaltung des GebäuÂdes hatte. Um die NachbargeÂbäuÂde vor AbsenkunÂgen zu schützen, wurÂde der GiebelÂbeÂreich weitgehend entlastet und die tragenden Wände entlang der zwei Straßenzüge angeordnet. Die leistungsfähigen, gefalteten StahlbetonÂkonstruktionen spanÂnen von Straße zu Straße und forderten auf beiden Straßenseiten staÂbile GrünÂdungen. Die ursprüngÂliche Idee, historische Häuserfronten zu erhalten und nur im Kern ein neues Bauwerk einzuÂfügen, musste aufgeÂgeben werden. Auf diese Weise entstand neben historischen Gebäuden eine geradlinige neue Front.
Die Fassade
Das Äußere des Schauspielhauses prägt neben Glas und Beton vor allem die Schieferfassade. Jenseits bekannter Schiefermuster, die kleinformatig oder rundlich sein können, entwickelten hier der ArchiÂtekten für dieses spezielle Gebäude eine exklusive Deckart. Sie wurde inzwischen vom SchieferÂlieferanten Rathscheck Schiefer weiÂterÂentÂwickelt, so dass diese Fassadenidee in naher Zukunft zum Stand der Technik gehören wird.
Für dieses Bauwerk wählten die Architekten Schiefersteine der Größe 25 x 40 cm. Sie sind mit Edelstahlblechen fixiert. Das Besondere ist die Verlegeart. Die SchieferplatÂten der Fassade sind mit extrabreiten, spieÂgelnden ChromÂnickelÂstahl-Blechen fixiert. Im Lichtschein schimmern diese Bleche wie Edelsteine auf den dunklen, blaugrauen Schiefern. Die PlatÂten sind so verÂlegt, dass die Chromnickelbleche waageÂrechÂte, senkÂrechte und auch diagoÂnale Netzlinien bilÂden. Die FasÂsade wirkt festlich, wie ein schwarÂzes Kleid mit PaÂjetten und unterÂmauert mit dieser AusÂstrahÂlung die FunkÂtion des BauÂwerkes. Besonders am Abend, wenn das PubliÂkum vorfährt, spiegeln Stahl und Schiefer das Licht der Autos und der StraßenÂbeÂleuchÂtung wider.
Haltbarkeit und Vandalismus
Schieferfassaden genießen eine hohe Wertschätzung. Die Lebensdauer einer Schieferfassade wird mit bis zu 200 Jahren angegeben, Edelstahlbefestigungen vorausgesetzt.
Vandalismus ist relativ selten und die Reparatur durch AusÂtausch einfach. Dazu werden spezielle Reparaturhaken einÂgesetzt oder im vorliegenden Fall lediglich die EdelstahlklamÂmer aufgebogen, ein neuer Stein eingesetzt und das EdelÂstahlblech wieder gerichtet.
Fassadentechnik
In den Regeln für Deckungen mit Schiefer, herausgegeben vom ZenÂtralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks, Köln, ist die FachÂtechnik einer Schieferfassade beschrieben. Darin wird für FassadenÂdeckungen eine Höhen- und SeitenÂüberdeckung von 4 cm gefordert. Mit einer HöhenüberÂdeckÂung von 4 cm und einer Seitenüberdeckung von 10,5 cm entÂspricht die Baseler Fassade diesen Vorgaben. Sie ist damit von den FachÂreÂgeln abgedeckt.
Im Zusammenhang mit Schieferdeckungen wird immer wieÂder der BeÂgriff der sogenannten „geschlossenen” Deckung diskuÂtiert. Darunter ist eine SchieferÂdeckung zu verstehen, bei der die Schiefersteine so übereinander und nebeneinander liegen, dass beim Blick von der Seite keine Spalten zu sehen sind. Damit wird der ReÂgeneintrieb von der Seite behindert. Bei den klassischen Deckarten für Dachdeckungen wie der Altdeutsche Deckung oder Universal-Deckung ist diese Regel zwingend einzuhalten. Für WandbeÂkleiÂdungen ist eine geÂschlossene Deckung jedoch nicht geforÂdert. Das heißt, dass beim Blick von der Seite zwischen den aufeinÂanÂder liegenden SchieferÂplatten offene Spalten sichtbar sein dürfen. Bei einer hinterlüfteten Schieferfassade würde im Fall eines SeiteneinÂtriebes von Regenwetter die Fassade und ihre UnterkonÂstrukÂtion schadensfrei austrocknen. Zur erhöhÂten SicherÂheit wurde beim vorliegenden innovativen Baseler Objekt eine VordeckÂung aus einer klassischen UnterspannÂbahn angeordnet.
Schiefer: Millionen Jahre alt
Die Schieferbranche erlebt zur Zeit eine Renaissance ohne Gleichen. Durch den Zusammenbruch der AsbestzementÂproduktion, die Rückbesinnung der Bauherren auf natürliche Materialien und gleichzeitig den technologischen Fortschritt im Bergbau, ist das Naturgestein Schiefer wieder zu einem inteÂressanten Material für Dach und Fassade avanciert. Beim Schiefer handelt es sich um ein Sedimentgestein, das vor etwa 400 Millionen Jahren aus Tonschlamm-Massen entÂstand. Durch den Auflagedruck verfestigten sich die Massen immer mehr zu Tonstein. Bei der späteren Gebirgsbildung wurden die Steinschichten dann durch seitlichen Druck aufÂgeÂfaltet. Durch die gleichmäßige Ausrichtung der Minerale, durch Glimmerlagen und durch die Verzahnung untereinander entstand die für Schiefer charakteristische Spaltbarkeit im bergfeuchten Zustand. Ein hochwertiger Schiefer besteht aus bis zu 90 Glimmerlagen pro MilliÂmeter Gestein. Bei einer Spaltstärke von etwa 5 mm verfügt der Stein über mehr als 400 GlimmerÂlagen. Sie sichern zum einen die Beständigkeit und Qualität des Gesteins, zum anderen den seidigen Glanz.
Bekannteste Deutsche Marke für hochwertigen Dachschiefer ist Moselschiefer. Das Gestein wird im Bergwerk Katzenberg und Margaretha in Mayen bei Koblenz in bis zu 300 Meter Tiefe unter Tage gewonnen. Der größte SchieferproÂduzent weltweit ist Spanien. Dort wird Schiefer im Tagebau gewonnen.
Schieferfassaden gelten traditionell als kleinteilig, dies vor allem vor dem Hintergrund des historischen Bergbaues, bei dem jedes Stück des mühsam geborgenen Gesteins genutzt werden sollte. Heute sind durch moderne Abbaumethoden Schieferformate bis 40 x 60 cm realisierbar und damit neue Gestaltungen möglich.
ABBILDUNGEN:
R02-92-08 A4: Bühneneingang des Schauspielhauses Basel.
R02-94-18 A4: Hauteingang des Schauspielhauses Basel.
R02-93-02 A3 + R02-93-12 A4 + R02-93-14 A3: Baseler Deckung: Die variabel gezogene Rechteckdeckung basiert auf Schiefern der Größe 25 x 40 cm. Bei dieser besonderen Art einer gezogenen RechteckÂdeckung spielen spezielle, glänzende Edelstahl-Blechklammern eine wichtige Rolle.
R02-96-02 A3: Übergang der Fassade zum Altbau.
R02-96-08 A4: Fensterdetail mit Ausfallstoren.
R02-92-14 A4: Fassadendetail am Bühneneingang: Die Schieferfassade geht hier in eine Sichtbetonfassade über.
RR-Untertage01 A3: Moderne Schiefergewinnung unter Tage mit Spezialmaschinen.
R94-1 A4: Schiefer in natürlichen Farben. Neben dem beÂkannÂten anthrazitfarbenen Schiefern sind weltweit auch grüne und rötliche Schiefer gefunden worden.
System Basel: 3D-Darstellung der Baseler Deckart.
Zeichnung 1: Schnitt durch die Schieferfassade am Sockelanschluss zum Sichtbeton.
Zeichnung 2: Schnitt durch Schieferfassade am Sturzdetail der Ausfallstoren.
Bautafel:
Bauherr: Baudepartement Basel Stadt
Architekt: Schwarz-Gutmann-Pfister Architekten BSA/SIA, Basel
Statik: René Guillod, WGG Schnetzer Puskas Ingenieure AG
Fassadentechnik: Philippe Petignat
Ausführendes Fassadenunternehmen: Alfred Brönnimann dipl. Dachdeckermeister, Oberwil/CH
Baubeginn: 18.10.99
Eröffnung: 17.01.02
Umbauter Raum: 22.000 m³
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Rathscheck Schiefer im Internet: www.schiefer.de
